• <b>Schweizerischer Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD)</b><br>"Ja zum sozialen Zusammenhalt. Gegen den Egoismus: Solidarität". Gewerkschaftsplakat zur Abstimmung vom 21. Juni 1992 im Kanton Genf über das Referendum gegen die geplante Steuererhöhung; Serigrafie von  Claude Luyet und Christian Humbert-Droz (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).

Schweizerischer Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD)

Die 1905 als Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter gegr. und 1920 durch Anschluss des Schweiz. Strassenbahnerverbands wesentlich erweiterte Gewerkschaft heisst seit 1924 VPOD. Der statusneutrale Name widerspiegelt die frühe Öffnung für Angestellte und Beamte. Als die kommunalen Betriebe Ende 19. Jh. massiv ausgebaut wurden, organisierten sich deren Arbeiter, v.a. die im Strassenunterhalt und in der Strassenreinigung tätigen, zuerst auf lokaler (1891 in Basel) und ab 1905 auch auf gesamtschweiz. Ebene. Früh, aber nur in bescheidenem Masse, schlossen sich kant. und eidg. Arbeiter (v.a. Militärpersonal) der Organisation an. Die ab 1896 auftretenden Strassenbahnervereine bildeten ebenfalls 1905 einen schweiz. Verband, in dem allerdings deutschschweiz. Organisationen überwogen. Die Strassenbahnervereine orientierten sich bis 1919 stark an den Eisenbahnerverbänden.

Der VPOD hob sich in etlichen Punkten von anderen Gewerkschaften und Angestelltenorganisationen ab. Er orientierte sich immer stark an der Politik, da diese die Arbeitsbedingungen seiner Mitglieder prägte. Von Anfang an galt die Branche und nicht der Beruf als Basis. Die Entwicklung der Mitgliederzahl verlief kontinuierlicher als bei Verbänden in der Privatwirtschaft. Der Bestand nahm jeweils gegen Ende der beiden Weltkriege sowie zu Beginn der Weltwirtschaftskrise markant zu und stagnierte Mitte der 1960er bis Mitte der 1990er Jahre bei ca. 40'000 (1906 1'649; 1920 10'229; 1940 18'505; 1960 36'898; 1993 42'561; 2000 36'619; 2010 35'486). Hinter der Stetigkeit verbirgt sich aber ein grundlegender Wandel: Ab den 1960er Jahren gewannen die Angehörigen neuer Berufsgruppen (Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen) gegenüber denjenigen der traditionellen Rekrutierungsgruppen (Bauämter, Strassenbahnen, Energie- und Wasserversorgung) ein Übergewicht. Parallel dazu nahm der Frauenanteil stark zu und erreichte 2011 den Gleichstand. Weil der öffentl. Dienst elementare soziale Sicherheit garantierte, verzichtete der VPOD weitgehend auf Unterstützungsinstitutionen. Nicht zuletzt deshalb blieb seine Bürokratie relativ bescheiden. Gesamtarbeitsverträgen wurde bis gegen Ende des 20. Jh. nur wenig Bedeutung zugemessen, und Streiks spielten nur anfänglich bei Strassenbahnen, 1918-19 (Landesstreik und weitere grössere Arbeitsniederlegungen) sowie seit den 1990er Jahren eine gewisse Rolle. Trotzdem gehörte der VPOD meist zu den radikaleren Gewerkschaften.

<b>Schweizerischer Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD)</b><br>"Ja zum sozialen Zusammenhalt. Gegen den Egoismus: Solidarität". Gewerkschaftsplakat zur Abstimmung vom 21. Juni 1992 im Kanton Genf über das Referendum gegen die geplante Steuererhöhung; Serigrafie von  Claude Luyet und Christian Humbert-Droz (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/><BR/>
"Ja zum sozialen Zusammenhalt. Gegen den Egoismus: Solidarität". Gewerkschaftsplakat zur Abstimmung vom 21. Juni 1992 im Kanton Genf über das Referendum gegen die geplante Steuererhöhung; Serigrafie von Claude Luyet und Christian Humbert-Droz (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
(...)


Literatur
Der VPOD im Spiegel des Zeitgeschehens 1905-1955, 1955
75 Jahre VPOD, 1905-1980, 1980
– R. Fluder, Interessenorganisationen und kollektive Arbeitsbeziehungen im öffentl. Dienst der Schweiz, 1996

Autorin/Autor: Bernard Degen