14/09/2010 | Rückmeldung | PDF | drucken

Obersiggenthal

Polit. Gem. AG, Bez. Baden, zwischen Siggenberg und Limmat, bestehend aus Nussbaumen, Kirchdorf und Rieden sowie den Weilern Tromsberg, Ebnet und Hertenstein. 1303-08 Sikental. 1780 631 Einw.; 1803 755; 1850 1'183; 1900 1'504; 1950 2'856; 2000 7'561. Neolith. Streufunde und Siedlung auf dem Bürglen-Hügel, Grab aus der Latènezeit, röm. Gutshof in Kirchdorf. Ab 1150 besass das Kloster St. Blasien (Schwarzwald) Grundrechte und die niedere Gerichtsbarkeit, dessen nach der Franz. Revolution an den bad. Staat übergegangene Bodenzinsrechte erst 1850 abgelöst wurden. Unter den Kyburgern gehörte O. zum Amt Baden, unter den Habsburgern zum abgespaltenen Amt Siggental, unter den Eidgenossen ab 1415 zum Siggamt, einem der elf Ämter in der Grafschaft Baden, das die Dörfer Kirchdorf, Nussbaumen, Rieden, Hertenstein, Untersiggingen, Würenlingen, Endingen, Tegerfelden und Böttstein umfasste. Sitz der von der ortsansässigen Oberschicht gestellten Untervögte und Steuermeier war Kirchdorf, in dessen Kern sich der ehem. Meierhof und die Zehntenscheune erhalten hat. Dort steht auch die im 12. Jh. erw. Pfarrkirche mit dem seit dem SpätMA nachgewiesenen Doppelpatrozinium Peter und Paul, die 1678 in der heutigen Gestalt erbaut wurde. Der Pfarrsprengel, der wohl ab dem HochMA identisch mit dem Zehntsprengel war, wurde 1956 in die drei Pfarreien Kirchdorf, Nussbaumen und Untersiggingen aufgeteilt. 1949 entstand die Liebfrauenkirche, 1985 die ref. Kirche in Nussbaumen.

1803 wurde Siggenthal in die Gem. O. und Untersiggenthal aufgeteilt. Bemühungen um die Schaffung einer Regionalstadt Baden ab 1967 scheiterten. 1974 wurde ein Gemeindeparlament eingerichtet. Durch Ansiedlung der Armaturenfabrik Oederlin & Cie. in Rieden 1858, den Bau des Limmatstauwehrs 1890 sowie das Wachstum der 1891 gegr. Brown Boveri Cie. in Baden veränderte sich O.s Wirtschaftsstruktur. Nach 1960 setzte ein starkes Bevölkerungswachstum ein (2000 rund 80% Wegpendler). Arbeitsplätze fanden die Erwerbstätigen v.a. in der Region Baden und Zürich, zunehmend aber auch in der Gem. selbst.


Literatur
– W. Drack, A. Lüthi, O., 1994
Kdm AG 7, 1995, 89-110

Autorin/Autor: Patrick Zehnder