24/05/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken

Automobilverbände

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Die Anfänge der schweiz. A. gehen auf den 1896 in Genf lancierten Touring-Club der Schweiz (TCS) zurück. Urspr. als Radfahrerorganisation gegr., bezweckte der TCS zunächst die allg. Förderung von privatemVerkehr und Tourismus (Radwandern). Erst 1911 bildete sich eine Automobil-Sektion, die den TCS bald dominieren sollte. Erster eigentl. A. war der 1898 gegr. Automobil-Club der Schweiz (ACS), der, beeinflusst vom damals internat. führenden franz. Autorennsport, ebenfalls in Genf entstand. Die Gründungsmitglieder des ACS waren TCS-Mitglieder, die vom Fahrrad auf das Automobil umstiegen. Der ACS bekämpfte die überwiegend autofeindl. Haltung von Behörden und Bevölkerung, verstand sich aber im Gegensatz zum TCS als elitärer Club im engl. Sinne mit hohen Aufnahmegebühren. Ab 1901 organisierte er v.a. Rennveranstaltungen, um das Auto populär zu machen. Der ACS nach 1900, der TCS v.a. nach 1920 gründeten Sektionen und Geschäftsstellen in der ganzen Schweiz. Beide A. entwickelten neben der Interessenwahrung in der Öffentlichkeit (Verkehrspolitik) vielfältige Dienstleistungen (u.a. Verkehrssicherheit und -training, Pannenhilfe, Zollformalitäten, techn. und jurist. Beistand, Informationsbulletins, Campingplätze, Rückrufzentrale, Ausstellungen).

Im ersten Motorisierungsschub nach 1920 folgten 1921 der Verband Schweiz. Motorlastwagenbesitzer (ASPA) und 1938 der Treuhandverband des Autotransportgewerbes (TAG), die 1979 zum Schweiz. Nutzfahrzeugverband (ASTAG) fusionierten (Transportgewerbe). Autogewerbe und -handel unterstützt der 1927 gegr. Autogewerbe-Verband der Schweiz (AGVS). Koordinierter Dachverband der in ihren Interessen sehr homogenen Automobilorganisationen ist seit 1944 der Schweiz. Strassenverkehrsverband (FRS, Fédération routière suisse), dessen Präsidium TCS und ACS im Turnus besetzen.

Die boomartige Motorisierung nach 1945 kräftigte die Akzeptanz und die Stellung der A. Der TCS als grösster Verband verzehnfachte 1950-90 seine Mitgliederzahl auf über 1,2 Mio., 2000 zählte er 1.4 Mio. Mitglieder (ACS 100'000). Dezidiert dem Grundsatz der freien Verkehrsmittelwahl verpflichtet, nähern sich die traditionellen A. seit der Intensivierung der Umweltdebatte verstärkt rechtsbürgerl. Positionen, oft gemeinsam mit der Freiheits-Partei (FP) (früher Autopartei). Der 1979 von versch. Umweltschutzverbänden ins Leben gerufene Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) bietet ähnl. Dienstleistungen an, setzt seine Prioritäten aber in der Förderung des Öffentlichen Verkehrs (2000 ca. 136'000 Mitglieder).


Quellen
Touring, 1936-, (Organ des TCS)
Auto, 1937-, (Organ des ACS)
VCS-Ztg., 1980-, (Organ des VCS; seit 2001 Leonardo)
Literatur
– F. Wirz, Die Umweltschutzpolitik des Touring-Clubs der Schweiz, 1987
– B. Frommel, Post tenebras automobilis, 1992
– H. Defago, Le Touring Club Suisse, 1994
– C.M. Merki, «Sociétés sportives et développement de l'automobilisme (1898-1930)», in Sports en Suisse, hg. von C. Jaccoud et al., 2000, 45-73

Autorin/Autor: Thomas Frey