• <b>Schweizerischer Zofingerverein</b><br>Silhouette eines Verbindungsstudenten der Zofingia. Gouachierte Lithografie, 1851 (Musée historique de Lausanne). Die Studenten stellten solche Schattenbilder in Serie her und tauschten sie untereinander. J.A. Ecoffey, der die Mütze und das Band in den Vereinsfarben trägt, schenkte diese Lithografie im März 1851 seinem Freund Etienne Guillemin.

Schweizerischer Zofingerverein

Der S., latinisiert Zofingia, ist ein Verband aus 13 Studentenverbindungen. 2010 umfasste der S. neun sog. Sektionen an schweiz. Universitäten und vier an Mittelschulen bzw. rund 400 Aktive und 2'300 Altzofinger. Der S. wurde 1819 in Zofingen von Zürcher und Berner Studenten gegründet. Sie liessen sich vom Wartburgfest 1817 und von der Gründung der Dt. Burschenschaft inspirieren, lehnten aber zunächst dt. Studentenbräuche ab, die erst in den 1830er Jahren Eingang fanden.

Nach Zürich und Bern entstanden 1820 Sektionen in Luzern und Lausanne, 1821 in Basel, 1823 in Genf und Neuenburg, 1824 in St. Gallen, 1829 in Freiburg sowie 1834 in Aarau. 1916-70 gab es eine Sektion in Bellinzona. Die Altzofinger sind im 1861 gegr. Schweizerischen Altzofingerverein mit 17 Sektionen zusammengeschlossen. Alle Mitglieder tragen die weisse Mütze und das rot-weiss-rote Band. Seit 1819 kommt der S. in seiner sog. Bundesstadt Zofingen jährlich zum Centralfest zusammen. Der S. wollte nicht nur gemäss der Devise "Patriae - Amicitiae - Litteris" die Studenten in der Schweiz zu einem einzigen Verband zusammenschliessen, sondern war auch Teil der nationalen Bewegung zur Schaffung des liberalen Bundesstaats. Viele ihrer Mitglieder spielten seit der Regeneration eine wichtige Rolle in der Schweizer Politik. In der Bundesversammlung von 1848 waren 19 Mitglieder Zofinger, bis 1860 stieg ihre Anzahl auf 27.

<b>Schweizerischer Zofingerverein</b><br>Silhouette eines Verbindungsstudenten der Zofingia. Gouachierte Lithografie, 1851 (Musée historique de Lausanne).<BR/>Die Studenten stellten solche Schattenbilder in Serie her und tauschten sie untereinander. J.A. Ecoffey, der die Mütze und das Band in den Vereinsfarben trägt, schenkte diese Lithografie im März 1851 seinem Freund Etienne Guillemin.<BR/>
Silhouette eines Verbindungsstudenten der Zofingia. Gouachierte Lithografie, 1851 (Musée historique de Lausanne).
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Nachdem die Sektionen Basel und Neuenburg sich in der Regeneration auf die konservative Seite geschlagen hatten, spalteten sich die Luzerner und Zürcher Zofinger ab und gründeten 1832 die radikale Studentenverbindung Helvetia. 1847 kam es zum sog. grossen Schisma: Eine konservative, knappe Mehrheit verblieb im S., während sich die Liberalradikalen im Neu-Zofingerverein zusammenschlossen, den sie 1849 in Helvetia umtauften. 1865 bzw. 1903 verbot der S. das Duell und damit die Mensur, was zur Abspaltung der Neuzofingia Zürich führte.

Ab etwa 1900 beschäftigte sich auch der S. mit der sozialen Frage. Es bildete sich der sozialist.-pazifist. Idealzofingerflügel, der im Konflikt mit dem liberal-konservativen Ubetonenflügel stand, dessen Name sich von der Abkürzung UBT für am untern Burschentisch ableitete, wo seine Mitglieder jeweils sassen. Erst angesichts der Bedrohung durch den Nationalsozialismus, den der Verband letztlich doch entschieden ablehnte, einigte sich der S. auf eine vaterländ.-freiheitl. Grundeinstellung. Die beiden Richtungen bestimmen das Vereinsleben jedoch bis in die Gegenwart. Innerhalb der schweiz. Studentenverbindungen gilt der S. als liberal und offen. Das Nationalitätsprinzip fiel 1974, das Männerbundsprinzip besteht weiterhin. Seine polit.-gesellschaftl. Bedeutung hat der S. ab 1968 weitgehend eingebüsst.


Literatur
Centralbl. des S., 1861-
Der S. 1819-1969, 1969
– P. Ehinger, Die alte Schale nur ist fern, 1994
– J.-M. Spothelfer, Les Zofingiens, 1995
– K. Haegi, Neuzofingia Zürich, 2002

Autorin/Autor: Paul Ehinger