Neue Helvetische Gesellschaft (NHG)

Aus der Sorge um die zunehmenden ausländ. Einflüsse auf das schweiz. Selbstverständnis riefen im Jan. 1912 Robert de Traz, Alexis François und Gonzague de Reynold im Manifest "Pro helvetica dignitate ac securitate" zur Überwindung innerhelvet. Differenzen und Erhaltung staatl. Eigenständigkeit sowie allgemein zum Kampf gegen den Materialismus auf. Die N. konstituierte sich am 1.2.1914 in Bern als überparteiliche freundschaftl. Vereinigung, die über Lausanne, Neuenburg und Zürich rasch in der ganzen Schweiz und via Berlin, Paris und London auch im Ausland dezentral organisierte Ortsgruppen bildete. Der schon 1913 gewählte Name knüpfte bewusst an den Helvetismus und die Helvetische Gesellschaft des 18. Jh. an. Eine wichtige Rolle bei der Zunahme der Mitgliederzahl von 1'460 (1915) auf den Höchststand von 2'540 (1920) spielte das Beziehungsnetz des Schweizerischen Zofingervereins. Mehrsprachigkeit, nationales Erbe und Eigenart der Landesteile verbanden als hauptsächl. Werte Literaten, Journalisten und Akademiker vorwiegend aus der Romandie mit Deutschschweizer Unternehmern und Politikern. Viele sollten in Staat und Gesellschaft führende Rollen übernehmen. 1916 noch abgelehnt, wurde die Aufnahme von Frauen 1918 den Ortsgruppen freigestellt. National bekannt wurde die N. durch Carl Spittelers Rede "Unser Schweizer Standpunkt" vom 14.12.1914 vor der Zürcher Ortsgruppe. Zwischen nationalkonservativer Orientierung und Weltoffenheit erfolgte 1920 die Kampagne für den Beitritt zum Völkerbund. Danach beschränkte die Gesellschaft ihre Tätigkeit auf den freien Gedankenaustausch im kleinen Kreis und in regelmässigen Publikationen. Überdies spielte sie bei der Entstehung von Institutionen mit selbstständiger Trägerschaft, wie etwa 1916 der Auslandschweizer-Organisation, eine Rolle. 2007 fusionierte die N. mit der 1945 gegr. staatsbürgerlichen Vereinigung Rencontres Suisses - Treffpunkt Schweiz.


Literatur
– C. Guanzini, P. Wegelin, Krit. Patriotismus, N., 1914-1989, 1989
– C. Guanzini, Les origines de la Nouvelle société helvétique (1911-1914), 1989
– G. Arlettaz, «La Nouvelle Société Helvétique et les Suisses à l'étranger (1914-1924)», in SQ 28, 2002, 37-64

Autorin/Autor: Emil Erne