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Gebenstorf

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Polit. Gem. AG, Bez. Baden, 1415-1798 identisch mit dem gleichnamigen Amt der Grafschaft Baden. An den Mündungen von Reuss und Limmat in die Aare gelegen, bestanden Amt und Gem. G. aus den alemann. Siedlungen G. und Wil, dem Weiler Reuss an der Fähre nach Windisch, dem Dorf Vogelsang in der Flussniederung und den hochma. Rodungshöfen Petersberg und Schwabenberg. Das im 19. Jh. entstandene Fabrikdorf Turgi bildet seit 1884 mit Wil eine eigene Gemeinde 1247 Gobistorf. 1798 630 Einw.; 1880 2'435; 1888 (ohne Turgi und Wil) 1'570; 1900 1'574; 1950 2'110; 1990 4'079; 2000 4'182.

Aus der Bronzezeit sind Einzelfunde überliefert. Ein röm. Meilenstein (heute im Schweiz. Landesmuseum in Zürich) stand in Wil an der Strasse Windisch-Baden, die wie die heutige Hauptstrasse auf der schmalen Schotterterrasse am Fuss des Gebenstorfer Horns verlief. In habsburg. Zeit gehörte G. zum Amt Baden. 1330 übertrugen die Habsburger ihre 1247 erw. Kirche und ihren Besitz in G. dem Kloster Königsfelden, das von nun an der wichtigste Grundherr war. Nach der Reformation blieb G. paritätisch. Die Katholiken, die rund ein Drittel der Einwohner ausmachten, wurden in der von beiden Konfessionen genutzten Kirche von G. durch den Pfarrer von Birmenstorf betreut. 1889 entstand eine kath., 1891 eine neue ref. Kirche. Die Schulen blieben bis 1895 konfessionell getrennt. Seit 1911 besteht die kath. Kirchgemeinde G.-Turgi, die seit 1950 als kath. Gesamtkirchgemeinde die Pfarreien G. und Turgi umfasst. Die Bevölkerung lebte hauptsächlich vom Ackerbau und teilweise von Flussschifffahrt und Fischerei. Mit der Eröffnung grosser mechan. Baumwollspinnereien in Turgi (Fam. Bebié 1828-1962) und Windisch (Kunz, 1829-2000) verdoppelte sich in den 1830er Jahren die Einwohnerschaft. In Turgi bildete sich ein proletarisch geprägtes Fabrikdorf, das 1856 den einzigen Bahnhof der Gem. erhielt. Der Gegensatz zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen eskalierte in der 1884 vollzogenen Gemeindetrennung. G. blieb eine Arbeitergemeinde. Eine 1862 in Vogelsang gegr. Spinnerei wurde 1899 in eine Metallwarenfabrik umgewandelt, den grössten Betrieb in der verkleinerten Gem. (1909-98 BAG Turgi, eine der grössten Leuchtenfabriken der Schweiz). Der Pendelverkehr in die Spinnereien von Turgi und Windisch und nach Baden (Brown Boveri) blieb jedoch vorherrschend. 1910-70 lag der Beschäftigtenanteil des 2. Sektors stets zwischen 70 und 80%. 2000 betrug er weniger als ein Viertel, während zwei Drittel der Stellen in G. dem 3. Sektor zufielen.


Literatur
– A. Haller, G. im Flug durch die Jahrhunderte, 1971
– D. Sauerländer, A. Steigmeier, Wohlhabenheit wird nur Wenigen zu Theil, 1997

Autorin/Autor: Andreas Steigmeier