• <b>Wandern</b><br>Moosegg im Emmental. Fotografie, 1950 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege). Das Werbebild der Schweizerischen Verkehrszentrale zeigt die typischen gelben Wegweiser der Schweizer Wanderwege an einer Verzweigung.

Wandern

W. ist ein Freizeitsport zur Förderung der körperl. und geistigen Regeneration. Im Zuge der Modernisierung der Gesellschaft in der 2. Hälfte des 19. und im 20. Jh. wurde das W. in breiten Bevölkerungsschichten populär. Die Erschliessung der Gebirgswelt für den Tourismus verhalf dem Alpinismus und dem W. zum Durchbruch. Pionierarbeit leistete der 1863 gegr. Schweizer Alpen-Club. Dem W. - verstanden als Ausdruck der Rückkehr zu einer natürl. Lebensform - wurde auch eine pädagog. Bedeutung zugesprochen. Bereits im 19. Jh. gehörten Schulreisen in Form von Fussmärschen zum Programm der Sekundarschulen. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh. gewann das W. in den emanzipator. Jugendbewegungen einen grossen Stellenwert. Die 1896 in Stieglitz bei Berlin gegründete bürgerl. Jugendbewegung der Wandervögel fasste auch in Deutschschweizer Mittelschulen Fuss. Ihre Anfänge waren eng mit der Abstinenzbewegung verknüpft. 1907 wurde der Verein Wandervogel mit dem Zunamen Schweiz. Bund für alkoholfreie Jugendwanderungen gegründet. Er umfasste maximal 1'500 Mitglieder (nach 1918 rückläufige Mitgliederzahlen) und hatte bis 1955 Bestand. Mit der 1895 in Wien ins Leben gerufenen Naturfreundebewegung wurde W. auch Teil der Arbeiterkultur (Arbeitervereine). 1905 und 1906 etablierte sich die Bewegung in Zürich, Davos, Chur und Vevey und danach auch in weiteren Schweizer Städten. Ab 1925 hiess die Vereinigung Die Naturfreunde, Landesverband Schweiz, ihr gegenwärtiger Name lautet Naturfreunde Schweiz. Im Tessin entstand 1919 die populäre Freizeitorganisation Unione ticinese operai escursionisti. 1933 gründeten der Meilener Sekundarlehrer Jakob Ess und Otto Binder, Sekretär der Pro Juventute, die Zürcher. Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege. Angesichts des motorisierten Verkehrs und des Siedlungswachstums fassten sie das Ziel, das Erlebnis des W.s einer breiteren Öffentlichkeit näherzubringen. 1934 entstand daraus die gesamtschweiz. Dachorganisation Schweiz. Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege, die seit 1987 auch mit dem Kürzel Schweizer Wanderwege bezeichnet wird (26 Sektionen). Bislang wurde mit Subventionen der öffentl. Hand ein Wanderwegnetz von über 50'000 km Gesamtlänge erstellt. Das Bundesgesetz für Fuss- und Wanderwege von 1985 sieht vor, auch hist. Wegstrecken ins Wanderwegnetz einzubeziehen. Die Bundesverfassung von 1999 enthält einen Grundsatzartikel zu Fuss- und Wanderwegen (Art. 88).

<b>Wandern</b><br>Moosegg im Emmental. Fotografie, 1950 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege).<BR/>Das Werbebild der Schweizerischen Verkehrszentrale zeigt die typischen gelben Wegweiser der Schweizer Wanderwege an einer Verzweigung.<BR/>
Moosegg im Emmental. Fotografie, 1950 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege).
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Archive
– Sozarch, Archiv des Schweiz. Wandervogels
Literatur
– A. Libotte, Storia illustrata dello sport nel Ticino 1830-1984, 1984, 18-20
– W. Gysin, Die Oberstufenschule Andelfingen, 1985
– M. Pils, "Berg frei": 100 Jahre Naturfreunde, 1994
– H.-U. Grunder, «Schulreform und Jugendkultur», in Pädagog. Rundschau 53, 1999, 269-293
– B. Schumacher, ... Engagiert ... unterwegs: 100 Jahre Naturfreunde Schweiz, 1905-2005, 2005
– H. Binder, 75 Jahre Zürcher Wanderwege ZAW, 1933-2008, 2009

Autorin/Autor: Martin Illi