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Wintersport

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Die Entstehung des W.s in der Schweiz ist eng mit der Geschichte der Höhenkliniken und des Tourismus im 19. Jh. verknüpft. Als die ersten Kurhotels (Gastgewerbe) ab Mitte der 1860er Jahre auch in der Wintersaison für Gäste geöffnet waren, nahm der W. in den Alpen seinen Anfang. Er diente den Kurgästen und deren Entourage zur körperl. Ertüchtigung und war ein willkommener Zeitvertreib. Damit entstand ein neues Gästesegment für den aufkommenden Wintertourismus. Bereits zu Beginn des 20. Jh., als sich der Skisport rasant entwickelte, buhlten grosse Wintersportdestinationen wie Davos, St. Moritz, Grindelwald, Arosa und Leysin um die Ski fahrenden Gäste. In St. Moritz fanden 1928 und 1948 die Olymp. Winterspiele statt.

1 - Winteralpinismus

Als eine der ersten sportl. Betätigungen im Winter gilt der Winteralpinismus (Alpinismus). Bereits im Jan. 1832 unternahm der Solothurner Naturwissenschafter Franz Joseph Hugi rund um Grindelwald zahlreiche Wintertouren, so bestieg er die Strahlegg, das Mönchsjoch und das Faulhorn. Mit der Ausbreitung des norweg. Schneeschuhs im Alpenraum von den 1890er Jahren an wurden auch die hochalpinen Gipfel zum Ziel der Winteralpinisten. In den 1880er und 90er Jahren nahm die Verbreitung von Skitouren als Folge der techn. Entwicklungen im Bereich der Aufstiegshilfen (Felle, Bindungen, Schuhe, Harscheisen) und Skis zu.

Autorin/Autor: Reto Müller

2 - Curling und Eislauf

Die ersten Sportarten, welche die engl. Wintergäste mit in die Alpen brachten, waren Betätigungen auf Eisflächen. Brit. Gäste gründeten 1870 in Davos den ersten Skating Club und 1880 den ersten Curling Club der Schweiz. Mit dem Bau der grössten Eisanlage Europas wurde Davos Ende des 19. Jh. zum Zentrum des europ. Eissports. Zwischen 1898 und 1910 wurden hier fünf Weltmeisterschaften durchgeführt. Curling war im Gegensatz zum Eislaufen der gehobenen Klasse vorbehalten und blieb lange eine Spezialität der brit. Gäste. Der erste Schweizer Curling Club wurde 1913 in Grindelwald gegründet. Seit 1959 werden Weltmeisterschaften für Männer, seit 1979 auch für Frauen durchgeführt, seit 1998 ist Curling auch eine olymp. Disziplin. Seither gehören Schweizer Curling-Teams zu den weltbesten. Hans Gerschwiler war 1947 Eiskunstlauf-Weltmeister, Denise Biellmann holte den Titel 1981, Stéphane Lambiel 2005 und 2006.

Autorin/Autor: Reto Müller

3 - Eishockey

Hockey, ursprünglich mit Stock und Ball auf einem Feld gespielt, wurde von guten Eisläufern zum Wintersport weiterentwickelt und Bandy oder Eishockey genannt. Eine Pionierrolle bei der Entwicklung dieser Sportart in der Schweiz spielten die Waadtländer Kurorte Leysin und Les Avants oberhalb von Montreux. Max Sillig gründete 1904 die Westschweizer Hockey Liga. Daraus entstand 1908 der Nationale Verband mit Sillig als erstem Präsidenten. Als Zentrum des schweiz. Eishockeys organisierte Les Avants 1910 die ersten Europameisterschaften. Die Schweizer Nationalmannschaft wurde in der Folge viermal Europameister (1926 und 1935 in Davos, 1939 in Basel/Zürich, 1950 in London) und gewann in St. Moritz 1928 und 1948 Olympia-Bronze. Seit 1923 wird in Davos der vom Arzt Carl Spengler gestiftete Spengler Cup ausgetragen, eines der ältesten internat. Clubturniere der Welt. Mit dem Bau der ersten Kunsteisbahn in Zürich wurde Eishockey ab 1930 zunehmend zu einer städt. Sportart. Ende der 1970er Jahre erfuhr der bis anhin von Amateuren dominierte Sport eine Professionalisierung. Zur selben Zeit prägten zunehmend ausländ. Spieler die Schweizer Nationalliga. Die Jahresbudgets der Meisterclubs durchliefen eine rasante Entwicklung. So betrugen sie für den SC Langnau 1976 noch 650'000 Fr., für den EHC Arosa 1980 schon 2 Mio. Fr. und für den SC Bern 2010 bereits 15,5 Mio. Fr. Obwohl Eishockey in der Schweiz neben Fussball die populärste Mannschaftssportart ist, blieb die Zahl der aktiven Spieler verhältnismässig klein. In der Saison 2009-10 spielten 25'620 Spieler und Spielerinnen in allen Ligen und Altersklassen; die Zahl der aktiven Fussballer lag bei rund 240'000.

Autorin/Autor: Reto Müller

4 - Schlitten und Bob

Der Schlitten gilt als eines der ältesten Transportmittel der Menschen und wurde im Alpenraum v.a. für Heu- und Holztransporte eingesetzt. Bereits 1872 bauten Engländer in St. Moritz hinter dem Hotel Kulm eine erste künstl. Schlittenbahn. In Davos fand im Winter 1881-82 das erste Rennen vom Wolfgangpass nach Klosters statt. Ebenfalls in Davos gründeten Engländer 1883 den Davos Toboggan Club als ersten Schlittenverein der Schweiz. In St. Moritz entstand im Winter 1884-85 der 1,2 km lange Cresta Run für Skeletonschlitten. Die nach norweg. Vorbild gebauten Davoser Schlitten erhielten bald Konkurrenz: Der Amerikaner Stephen Whitney brachte im Winter 1888-89 einen zweiteiligen und damit steuerbaren Schlitten nach Davos. Im gleichen Winter baute der Hufschmid Christian Mathis im Auftrag des Engländers William H. Bulpett mit brit. Stahl in St. Moritz den ersten Bobrennschlitten, der aus zwei hintereinanderliegenden Skeletonschlitten bestand. Von nun an entwickelte sich der Bobbau auf vielfältige Weise.

Die sog. Americans oder Bobsleds (Bobsleighs) wurden zuerst von den Schlittenrennen ausgeschlossen. 1892 fand jedoch in St. Moritz das erste reine Bobrennen statt. Im Winter 1903-04 wurde hier die erste Bobeisbahn gebaut, die dem Bobsport zu einem grossen Aufschwung verhalf. Nur sieben Jahre später gab es in der Schweiz bereits 61 Bobbahnen. Der neue Sport war anfänglich keine Männerdomäne, vielmehr nahmen am Rennen Grand National in St. Moritz 1897 auch Frauen teil. Frauenbob wurde jedoch erst 2002 in Salt Lake City ins Olympiaprogramm aufgenommen. In der 2. Hälfte des 20. Jh. gewannen Fragen rund um das Material der Sportler zunehmend an Bedeutung. Die Schweizer Bobfahrer konnten erfolgreich mithalten und holten 30 Weltmeistertitel: Sieben gingen an Fritz Feierabend (1938-55), fünf an Erich Schärer (1975-86) und vier an Gustav Weder (1989-93).

Autorin/Autor: Reto Müller

Quellen und Literatur

Literatur
Zur Gesch. des W.s, hg. von T. Busset, M. Marcacci, 2006
– S. Barton, Healthy Living in the Alps, 2008

Autorin/Autor: Reto Müller