Suhr

Polit. Gem. AG, Bez. Aarau. Zentrumsgemeinde und Vorort von Aarau im unteren Suhrental. Umfasste bis 1810 auch Buchs (AG) und Rohr (AG). 1045 Sura. 1764 680 Einw.; 1803 1'039; 1850 1'422; 1900 1'808; 1950 3'737; 2000 8'451. Reste einer neolith. Siedlung im Obertel, ein galloröm. Umgangstempel, dann als Nachfolgebau eine Kirche aus vorkaroling. Zeit. Die Markgemeinde S. (mit Rohr und Buchs) ging 1173 von den Gf. von Lenzburg an die Kyburger über. Im 13. Jh. war S. Stammsitz einer kyburg. Ministerialenfamilie, von der nur Heinricus de Sure 1241 und 1257 urkundlich bezeugt ist. 1273 gelangten hohe sowie niedere Gerichtsbarkeit an die Gf. von Habsburg. Ab 1415 war S. Teil der bern. Landvogtei Lenzburg. Das Gericht S. erstreckte sich auf die alte Gem. S. (Dörfer S., Buchs und Rohr) sowie z.T. auf Unterentfelden und den Steckhof Roggenhusen (1527 an Aarau). 1803 wurde S. eine Gem. des neuen Kt. Aargau. Kirchlich bildete S. das Zentrum einer frühma. Grosspfarrei, aus der 965 Oberentfelden und um 1300 Gränichen als eigene Sprengel ausschieden. Nach der Reformation trennten sich auch Aarau (1528), Untermuhen (1543) und Rupperswil (1681). 1798 bestand die Kirchgemeinde S. noch aus den Dörfern S., Buchs und Rohr (beide bis 1946), Unterentfelden (bis 1959) und Hunzenschwil. Die Pfarrkirche aus dem 8. Jh. wurde 1495 neu gebaut und 1994 restauriert. Der Kirchensatz gelangte 1400 von den Habsburgern ans Stift Beromünster und 1857 an den Kt. Aargau. 1953 wurde die kath. Pfarrei gegründet, 1961 die Heiliggeistkirche eingeweiht. Neben der vorherrschenden Landwirtschaft entstanden schon früh spezialisierte Gewerbebetriebe (Mühlen, Stampfen, Gerbereien). Die im 18. Jh. aufkommende Textilindustrie bot zusätzl. Arbeitsplätze, so die Baumwollspinnerei des Aarauer Industriellen Johannes Herzog (1820), die Cardenfabrik Graf (1866), die Elastic-Fabrik Heer (1870) und die Stoffdruckerei S. (1908). Im 20. Jh. siedelten sich weitere Industriebetriebe und Dienstleistungsfirmen in S. an. Die 1911 gegr. Firma Schmid & Hallauer produzierte während des 1. Weltkriegs mit 500 Beschäftigten Munitionsbestandteile. In S. hat die Möbel Pfister seit 1941 ihren Hauptsitz und die Migros seit 2002 ein Verteilzentrum. 1877 erhielt S. einen Bahnhof an der Eisenbahnlinie Baden-Lenzburg-Zofingen, 1904 einen Anschluss an die Strecke Aarau-Reinach. In der 2. Hälfte des 20. Jh. erlebte S. ein rasantes Siedlungswachstum mit den grossflächigen Überbauungen nördlich des Dorfs (Aarauer Feld) und südlich der Bahnlinie (Helgen- und Wynenfeld). Im ehem. Untervogthaus ist ein Gemeindemuseum untergebracht.


Literatur
– W. Merz, Die ma. Burganlagen und Wehrbauten des Kt. Aargau 2, 1906, 512 f.
– A. Lüthi, S. im Wandel der Zeiten, 1968
– G. Mayer, M. Widmer-Dean, Kirchengesch. S., 2005
– M. Widmer-Dean, Ortsgesch. S., 2009

Autorin/Autor: Markus Widmer-Dean