Muhen

Polit. Gem. AG, Bez. Aarau. Langgestrecktes Dorf im unteren Suhrental, bestehend aus den vier heute vollständig zusammengewachsenen Siedlungskernen Ober-, Mittel- und Untermuhen sowie Schwabistal. 1045 Mucheim (Kopie 14. Jh.), 1267 Mukhein. 1764 615 Einw.; 1803 846; 1850 1'288; 1900 1'213; 1950 2'046; 2000 3'083. Jungsteinzeitl. Einzelfunde, eisenzeitl. Grubenhaus auf dem Schafrain, Streufunde aus röm. Zeit. Im MA und in der frühen Neuzeit gehörte M. zur Grafschaft bzw. zur bern. Landvogtei Lenzburg. Das Dorf bildete das Zentrum des Muhenamtes, das nach dem Übergang an Bern 1415 ins Gericht Kölliken (Kölliken, M., Holziken, Wittwil, Staffelbach, Bottenwil, Attelwil, Wiliberg) integriert wurde. Neben versch. Klöstern, Twingherren, Städten und Dörfern war v.a. die Stadt Bern im ausgehenden MA in M. begütert. Kirchlich war M. zwischen den Pfarreien Schöftland und Suhr (später Oberentfelden) aufgeteilt; eine eigene Kirche erhielt es erst 1961. Ein Gasthaus (taberna) ist bereits 1045, eine Mühle 1331 bezeugt. 1653 wurden in M. 11 Vollbauern, 13 Halbbauern und 44 Tauner gezählt. In vorindustrieller Zeit waren neben der Mühle und dem Wirtshaus eine Walke mit Färberei, eine Lohstampfe, eine Gerberei und eine Schmiede konzessioniert. Haupterwerb war die Landwirtschaft, ab 1720 florierte zudem die Baumwollweberei. 1901 erfolgte die Einweihung der Aarau-Schöftland-Bahn. Bis Ende des 19. Jh. war M. weitgehend bäuerlich geprägt; erst ab der Jahrhundertwende boten Industriebetriebe Arbeitsplätze in nennenswerter Anzahl an. 2001 waren in 152 Arbeitsstätten 1'040 Personen beschäftigt, davon ca. ein Fünftel im 2. und gut zwei Drittel im 3. Sektor. Das imposante Strohdachhaus mit gemauertem Stock (erbaut 1720/21, Wiederaufbau nach Brand 1962-63), ein bedeutendes architekturgeschichtl. Denkmal, dient heute als Museum für bäuerl. Wohnkultur.


Literatur
– M. Widmer, Dorfchronik M., 1995

Autorin/Autor: Markus Widmer-Dean