Küttigen

Polit. Gem. AG, Bez. Aarau. 1036 Chutingen (Kopie 14. Jh.), 1045 Chutingun. Dorf in Juramulde zwischen Aare und Jurahauptkamm; Pässe Benken und Staffelegg. Östlich des Dorfes der Rodungshof Horen. 1764 682 Einw.; 1803 1'078; 1850 1'847; 1900 2'018; 1910 2'167; 1950 2'508; 2000 5'025. Auf dem Weidgüpfli Funde aus der Bronzezeit sowie dem 12. und 13. Jh. in der urkundlich nicht belegten Burgruine Rosenberg (Besitzer unbekannt). Südlich der Kirche grosse röm. Villa (1906 ausgegraben). K. bildete mit Biberstein und Erlinsbach die Herrschaft Königstein. Die gleichnamige Burg wurde um 1277 durch die Ritter von Kienberg-Königstein, Inhaber der Kastvogtei, widerrechtlich erbaut. 1335-1535 war die Herrschaft Eigentum der Johanniter, 1535-1798 gehörte K. zum Oberamt (Landvogtei) Biberstein. Die niedere Gerichtsbarkeit erwarb Bern 1534 durch Kauf vom Stift Beromünster, das seit 1036 im Besitz von Kirche und Dorf K. gewesen war. Zur ref. Pfarrei gehört bis heute Biberstein. Seit 1245 heissen Kirche (vermutlich Marienpatrozinium) und Pfarrei Kirchberg. In den 1530er Jahren trat K. zur Reformation über. Die Katholiken von K. gehören heute zur röm.-kath. Kirchgemeinde Aarau. Die Vorstadt ist eine Ausbausiedlung aus dem 17. Jh. Erwähnenswert sind einige beachtl. Steinbauten aus dem 16. und 17. Jh. (v.a. der 1990 renovierte Spittel). Damals wurde auch Gips und Alabaster (Taufsteine usw.) abgebaut. Im 18. Jh. gewann die Bohnerzgewinnung auf Buch an Bedeutung. Als Verbindung ins Fricktal erfolgte 1804 der Bau der Staffeleggstrasse, die 2004-08 einen neuen Zubringer mit Aarebrücke erhielt. Erster grösserer Fabrikbau war die Papiermühle von H.R. Sauerländer (1822). Gegen Ende des 20. Jh. verfestigte sich die wirtschaftlich starke Ausrichtung von K. nach Aarau (2000 1'948 Wegpendler, 505 Zupendler), während nur noch wenige Bauernhöfe betrieben wurden. Dagegen konnte eine erfolgreiche Pflege des Rebbaus (ca. 4 ha) verzeichnet werden. Seit 1923 existiert eine Postautoverbindung mit Aarau und Frick; 1975 wurde K. in die Busbetriebe Aarau integriert. Der Aarau benachbarte Ortsteil Rombach wurde nach dem 2. Weltkrieg zum begehrten Wohngebiet. In K. befindet sich die 1979 eröffnete aarg. Sprachheilschule.


Literatur
– A. Lüthi, K., 21992

Autorin/Autor: Alfred Lüthi