Salon

Der S. entwickelte sich im 17. Jh. in Frankreich als kultivierte, urbane Geselligkeitsform und erlangte im 18. Jh. grosse Bedeutung als soziale Basis für die aufgeklärte Öffentlichkeit. Die S.s waren grosse, vornehm ausgestattete Empfangszimmer, in denen sich an bestimmten Wochentagen ein ausgewählter Kreis illustrer Gäste unterschiedl. Herkunft, Rangs und Geschlechts um eine brillante und gebildete Gastgeberin, die Salonière, versammelte. Geistreiche Konversation und krit. Räsonnement über philosoph., kulturelle oder polit. Themen standen im Zentrum der Salongeselligkeit. Als zwanglose und zweckfreie Form standesübergreifender Soziabilität verkörpern die S.s das aufklärer. Ideal einer gesellschaftl. Ordnung. Im 18. und frühen 19. Jh. entstanden sie auch ausserhalb Frankreichs, etwa in Berlin, wo v.a. die literar. S.s der Jüdinnen berühmt wurden.

In der republikan. Schweiz spielten die frauenzentrierten S.s neben den männlich geprägten Sozietäten der Aufklärung mit einigen Ausnahmen eine untergeordnete Rolle. V.a. in den vom franz. Lebensstil beeinflussten Westschweizer und Berner Eliten wurde diese Form der Geselligkeit gepflegt. In Bern war der S. von Julie Bondeli über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Jener von Albertine Necker-de Saussure in Cologny und ihrer Cousine Germaine de Staël in Coppet bildete den Treffpunkt für Patrizierinnen und Patrizier, Intellektuelle und emigrierte franz. Adlige. Auch in Lausanne und in den kleinen Munizipalstädten am Genfersee gab es vergleichbare gesellige Kreise. Andere S.s waren stärker stadtbürgerlich geprägt, etwa jene von Salome Geymüller in Basel oder Barbara Schulthess in Zürich.


Literatur
– C. Lougee, Le paradis des femmes: women, salons and social stratification in seventeenth-century France, 1976
– B. Schnegg, «Soireen, S.s, Sozietäten», in Frauen in der Stadt, hg. von A.-L. Head-König, A. Tanner, 1993, 163-183
– P. Seibert, Der literar. S., 1993
Les conditions de la vie culturelle et intellectuelle en Suisse romande au temps des Lumières, hg. von A. Dubois et al., 1996

Autorin/Autor: Brigitte Schnegg