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Saint-Hélier, Monique

geboren 2.9.1895 (Berthe Eimann) La Chaux-de-Fonds, gestorben 9.3.1955 Chambines (Gem. Pacy-sur-Eure, Normandie), ref., ab 1918 kath., von La Chaux-de-Fonds. Tochter des Edouard, Uhrmachers, und der Ida geb. Parel. ∞ 1917 Ulysse Briod, international tätiger Funktionär, Schriftsteller und Übersetzer, Sohn des Ernest. Abgebrochenes geisteswissenschaftl. Studium an den Univ. Lausanne und Bern. Nach ihrer Bekehrung zum Katholizismus änderte S. ihren Vornamen zu Monique, ihr Mann zu Blaise. S. war Sekr. von Gonzague de Reynold. 1923 traf sie Rainer Maria Rilke, mit dem sie eine grosse Freundschaft verband. Ihr erster publizierter Text "A Rilke pour Noël" (1927) ist eine Hommage an den Schriftsteller. Ende 1925 verliess das Ehepaar Bern und liess sich in Paris nieder, wo S.s Mann am Internat. Institut für Geistige Zusammenarbeit des Völkerbunds arbeitete. Sie kehrte nicht mehr in die Schweiz zurück. Da sie an versch. Krankheiten litt, war sie den grössten Teil ihres Lebens bettlägerig. Sie schrieb und verkehrte mit Künstlern und Literaten wie Jean Paulhan, Wladimir Weidlé und Gabriel Marcel. Nach dem ersten autobiograf. Roman "La cage aux rêves" (1932, dt. "Traumkäfig" 1990) verfasste sie mit "Bois-mort" (1934, dt. "Morsches Holz" 1938), "Le cavalier de paille" (1936), "Le martin-pêcheur" (1953) und "L'arrosoir rouge" (1955) eine von ihrer Jugend in La Chaux-de-Fonds inspirierte Familienchronik. Der unvollendete Romanzyklus beschreibt das Schicksal der Fam. Alérac, Balagny und Graew, das von Intrigen und Leidenschaften bestimmt wird. Die Aussicht auf Geld macht die Protagonisten hinterlistig und berechnend, ihre Liebe bleibt unerwidert. S. bewunderte Marcel Proust und wählte eine polyphon. Erzählweise, offen für freie Assoziationen und Erinnerungen, die den Ablauf der Zeit verlangsamen oder beschleunigen. Das Gefühlsleben ihrer Figuren wird oft durch bibl. Parabeln, aber auch durch Anspielungen und lebendige Metaphern dargestellt.


Archive
– CRLR, Nachlass
Quellen
Correspondance 1941-1955, hg. von J.-F. Tappy, 1995, (Briefwechsel mit Jean Paulhan)
Literatur
– M. Dentan, P. Piolino, Le jeu de la vie et de la mort dans l'œuvre de Monique S., 1978
– A. Mooser, Monique S., 1996
– Francillon, Littérature 3, 255-264
Biogr.NE 4, 281-287

Autorin/Autor: Doris Jakubec / BE