• <b>Jacques Mercanton</b><br>Der Schriftsteller anlässlich der Ehrung mit dem Preis der Büchergilde Gutenberg für sein Werk "Le soleil ni la mort". Fotografie, 1948 (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne, Presse-Diffusion).

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Mercanton, Jacques

geboren 16.4.1910 Lausanne, gestorben 27.4.1996 Lausanne, ref., später kath., von Cully, Lutry und Riex. Sohn des Philippe Eugène, Notars, und der Henriette Sophie Favre. Neffe des Paul-Louis ( -> 3). Ledig. Sprachwissenschaftl. Studium in Lausanne, 1940 Doktorat. Zahlreiche Aufenthalte in Paris und in Deutschland. 1938-40 Lehrbeauftragter in Florenz. 1940-55 Lehrer am humanist. Gymnasium in Lausanne, 1955-79 Prof. für franz. Literatur an der Univ. Lausanne. M. unterhielt freundschaftl. Beziehungen zu James Joyce, Thomas Mann, dessen Bekanntschaft er in Sils-Maria gemacht hatte, und Louis Massignon, der ihn in die arab. Kultur einführte. Aufgrund seiner Abhandlungen über diese drei Autoren sowie über Henri Bergson, Rainer Maria Rilke, Thomas Stearns Eliot und die franz. Schriftsteller wurde M. zu einem der brillantesten Vertreter einer Westschweiz, die sich als Mittlerin zwischen den verschiedenen europ. Kulturen versteht. Mit aller Schärfe wandte er sich gegen einen Provinzialismus, nicht räumlicher, wohl aber zeitlicher Art, der die Jugend ihrer geschichtl. Wurzeln und ihres kulturellen Erbes beraube. Sein trag. Humanismus, der ihn in die Nähe von Blaise Pascal und André Malraux rückt, stand im Mittelpunkt seines Romanschaffens. Seine Novellensammlungen und seine fünf Romane - darunter "L'été des Sept-Dormants" (1974) - trugen ihm zahlreiche literar. Auszeichungen ein (1975 Grand Prix C.F. Ramuz). Seine Erzählungen spielen an geschichtsträchtigen Schauplätzen, so in Italien, Prag, der Bretagne, Marokko, im Engadin, an der Algarve oder in den Donauländern. Seine Figuren tragen alle ein Mysterium oder ein Geheimnis in sich und sind von einem Gefühl von der Zerbrechlichkeit des Glücks beherrscht. Sie leben ihre Beziehung zur Kunst und insbesondere zur Musik intensiv aus und gelangen dabei zu vertieften Erfahrungen auf ihrer individuellen Suche nach dem Sinn des Lebens. Die Blickrichtung des Romanciers ist daher eher metaphysisch als psychologisch bestimmt.

<b>Jacques Mercanton</b><br>Der Schriftsteller anlässlich der Ehrung mit dem Preis der Büchergilde Gutenberg für sein Werk "Le soleil ni la mort". Fotografie, 1948 (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne, Presse-Diffusion).<BR/>
Der Schriftsteller anlässlich der Ehrung mit dem Preis der Büchergilde Gutenberg für sein Werk "Le soleil ni la mort". Fotografie, 1948 (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne, Presse-Diffusion).
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Werke
Œuvres complètes, 11 Bde., 1980-89
Archive
– BCUL, Nachlass
Literatur
Plans-fixes [Video], 1985
Francillon, Littérature 3, 377-388
Professeurs Lausanne, 833

Autorin/Autor: Roger Francillon / GL