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Borgeaud, Georges

geboren 27.7.1914 Lausanne, gestorben 6.12.1998 Paris, kath., von Collombey-Muraz. Sohn der Ida. Ledig. Sekundarschule in Aubonne, Gymnasium in Saint-Maurice; Matura humanist. Richtung. Lehre als Buchhändler. Von 1946 an lebte er in Paris, verbrachte aber die Sommermonate jeweils im Quercy. Die Suche nach Identität prägt B.s ganzes Romanschaffen. Der Makel der unehel. Geburt und die Tatsache, den eigenen Vater nicht gekannt zu haben, wurden für ihn zur Quelle seiner schöpferischen Kraft. Seine drei grossen Romane stehen in der Tradition der Entwicklungsromane des 19. Jh. In seinem ersten Roman "Le Préau" (1952 mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet) genauso wie in "La Vaisselle des Evêques" (1959) sind die Hauptpersonen Jugendliche, die versuchen, vor der Gesellschaft in die Natur zu fliehen und sich vergeblich mühen, ihre Träume zu bewahren. In "Le Voyage à l'étranger" (1974 Prix Renaudot) ist der Ich-Erzähler ein weiser, alter Mann, der distanziert auf seine jugendlichen Irrungen zurückblickt. B.s literarischer Weg führte von einer Art Lebensbeichte in Rousseau'scher Manier, die an die "Confessions" gemahnt, bis hin zu von Daseinsängsten geprägten Darstellungen im Stile Montaignes. Dank seiner Liebe zur Natur und zu den einfachen Wesen gelang es ihm, einen Modus vivendi zu finden und die von seiner Herkunft herrührenden Schwierigkeiten, sich in die Gesellschaft einzufügen, zu überwinden. Im Essay "Le Soleil sur Aubiac" (1969, Prix Médicis de l'Essai) schildert er in bildhafter Unmittelbarkeit die bäuerliche Welt des Quercy, eines ländlichen, von der Modernisierung verschonten Frankreichs. Seine Liebe für das Konkrete manifestiert sich auch in seiner Beziehung zur Malerei und in den Texten zu seinen bevorzugten Malern wie René Auberjonois, Maurice Estève, Salvador Dalì, Alberto Giacometti, Wilhelm Gimmi und Pierre Boncompain.


Literatur
– C. Schnidrig-Arquembourg, Georges B. ou Le salut par l'écriture, 1994
– Francillon, Littérature 3, 355-368

Autorin/Autor: Roger Francillon / AA