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No 2

Vallotton, Félix

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geboren 28.12.1865 Lausanne,gestorben 29.12.1925 Neuilly-sur-Seine (Paris), begraben Friedhof von Montparnasse, ref., von Vallorbe, ab 1900 franz. Staatsangehöriger. Sohn des Adrien, Drogisten, dann Chocolatiers, und der Emma geb. Roseng. Bruder des Paul ( -> 5). ∞ 1899 Gabrielle Rodrigues-Henriques geb. Bernheim, Tochter des Alexandre Bernheim, eines renommierten Pariser Kunsthändlers. 1875-82 war V. Schüler am kant. Collège von Lausanne, ab 1882 liess er sich in Paris an der Académie Julian zum Künstler ausbilden. 1885 stellte er erstmals im Salon des Artistes français aus und begann, Turnusausstellungen des Schweiz. Kunstvereins und lokale Salons in der Schweiz zu beschicken. V. malte anfänglich v.a. Porträts, kopierte alte Meister und stellte Reproduktionsgrafiken her. 1891 führte ihn Charles Maurin in die Technik des Holzschnitts ein, der bis 1898 zu seinem wichtigsten Ausdrucksmittel wurde. Erste Exemplare stellte er 1891 im Salon des Indépendants und 1892 im Salon de la Rose-Croix aus, wo ihre gestalter. Kühnheit und die Brisanz ihrer gesellschaftskrit. Inhalte die Aufmerksamkeit von Künstlern und Kritikern erregten. Ende 1892 begann er die neue Ausdrucksweise auf die Malerei zu übertragen; es entstand das enigmat. Bild "Le bain au soir d'été" (Kunsthaus Zürich), das im Salon des Indépendants einen Skandal verursachte. Ab 1893 beschäftigte sich V. auch mit der Litho- und Zinkografie und entfaltete eine rege illustrative Tätigkeit. Er wurde ständiger künstler. Mitarbeiter verschiedener literar. und satir. Zeitschriften wie "La Revue blanche", "Le Courrier français", "Le Rire" und "Le Cri de Paris". Um 1893 schloss er sich der Künstlergruppe der Nabis an, mit der er bis 1900 häufig ausstellte. Er entwarf wie diese Programmzettel für Pariser Avantgarde-Bühnen sowie kunstgewerbl. und werbegraf. Arbeiten im Stil des Art nouveau. 1890-97 war er zudem Kunstberichterstatter für die "Gazette de Lausanne". Kurz nach 1900 verfasste er einige bissige Theaterstücke sowie drei Romane, die allerdings erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden.

Um 1900 galt V. weltweit als der grosse Erneuerer des künstler. Holzschnitts, aber auch als einer der kühnsten Illustratoren seiner Zeit. Sein eigenwilliges maler. Werk löste dagegen immer wieder Befremden aus. Hatte er bereits 1897-99 die Öffentlichkeit mit einer Reihe greller Milieuschilderungen schockiert, die an die Bühnenstücke von Ibsen und Strindberg erinnern, so löste er sich nach 1900 abrupt von der Avantgarde und begann nach einer zeitgemässen Form bürgerl. Malerei zu suchen, die sich an alten Meistern wie Poussin oder Ingres orientierte. Ab 1905 beschäftigte er sich ausschliesslich mit konventionellen Bildthemen wie Porträt und Akt, Landschaft und Stillleben, ging seine Motive aber so kühl und überlegt an, dass diese Bilder wie eine Vorwegnahme der Pittura metafisica in Italien und der Neuen Sachlichkeit in Deutschland und der Schweiz anmuten. 1908 lernte er die Winterthurer Sammlerin Hedy Hahnloser-Bühler kennen, die sein Werk in der Deutschschweiz bekannt machte und 1936 die erste grosse Monografie über ihn herausbrachte. 1909 erhielt V. in Zürich seine erste Museumsausstellung und wurde in Paris von der renommierten Galerie Druet unter Vertrag genommen. 1917 besuchte er die Front bei Verdun, worauf er eine Reihe fantast. Kriegsbilder malte. Obschon sich sein Bruder Paul in Lausanne und sein Stiefsohn Jacques Rodrigues-Henriques in Paris als Kunsthändler stark für ihn engagierten, liess der Erfolg nach dem Krieg nach. Gesundheitl. Probleme nötigten ihn, den Winter ab 1920 in Cagnes (bei Cannes) zu verbringen, wo er stark stilisierte Landschaftsbilder malte.


Archive
– Fondation Félix V., Lausanne
Literatur
BLSK, 1062 f.
– M. Ducrey, V., 2007
– R. Koella, Über Félix V., 2009
Félix V. (1865-1925), hg. von R. Koella, K. Poletti, 2012

Autorin/Autor: Rudolf Koella