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Raymond, Marcel

geboren 20.12.1897 Genf, gestorben 28.11.1981 Genf, ref., von Genf. Sohn des Charles und der Alice geb. Bordairon, beide Lehrer an der Berufswahlschule. ∞ Claire Duchosal, Tochter des Henri, Rektors der Mädchensekundarschule. Stud. in Genf und Paris. 1926-62 Dozent an Univ. in Deutschland, in Basel und Genf. Nachdem R. seine Dissertation "Influence de Ronsard sur la poésie française" (1927) in Paris eingereicht hatte, betrachtete er Literatur unter neuen Aspekten: Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage nach dem Wesen der Poesie ("De Baudelaire au surréalisme" 1933), der Verbindung zwischen Literatur und Spiritualität (u.a. François Fénelon, Etienne Pivert de Senancour, Jacques Rivière) oder der Bewusstseinslenkung ("Paul Valéry et la tentation de l'esprit" 1946). Anhand von Texten Rousseaus, die er bestens kannte, befasste er sich mit dem Lebensgefühl und der Träumerei ("Jean-Jacques Rousseau, la quête de soi et la rêverie" 1962, "Romantisme et rêverie" 1978). Überzeugt von der Verwurzelung der Literatur im Leiblichen, wandte er sich deren Form zu. Häufig verglich er diese mit anderen künstler. Ausdrucksformen. Er zählt daher zu den Pionieren einer Annäherung der Literatur an Strömungen wie Barock oder Manierismus. R. gehört zu den grössten Kritikern in der franz. Literatur des 20. Jh. Er hinterliess aber auch ein bedeutendes autobiogr. Werk ("Le sel et la cendre" 1970, "Mémorial" 1971). Zahlreiche schweiz. und internat. Auszeichnungen.


Literatur
– G. Poulet, La conscience critique, 1971
Albert Béguin et Marcel R., hg. von P. Grotzer, 1979
– A. Tripet, «L'Ecole de Genève: l'œuvre critique de Marcel R.», in Etudes romandes, 1980, 5-22
– Francillon, Littérature 3, 519-522

Autorin/Autor: Arnaud Tripet / ASCH