Schafmatt

Sattelförmiger Juraübergang (793 m), der über die Erschliessung der Strecke Gelterkinden-Aarau das Rheinknie mit dem östl. Mittelland verband und im 19. Jh. seine Funktion als Pass einbüsste. Nördlich der solothurn. Gemeinde Rohr gliederte sich die Hauptachse in versch. Linien auf, die in Richtung der basellandschaftl. Gemeinden Oltingen und Zeglingen führten. 1276 Schafmatt, 1363 Schochmatt, 1510 Schachmatt. Die Streuung der eisenzeitl. Funde in der Region lassen eine wichtige Rolle der S. für den überregionalen Verkehr in der Urgeschichte vermuten. Eine Begehung in röm. Zeit wird angenommen. Im FrühMA führte die kürzeste Verbindung zwischen dem Raum Basel und der Innerschweiz über die S., die im ganzen MA von Pilgern, Fuhrleuten und Händlern benutzt wurde. Im 15.-17. Jh. diente sie v.a. dem regionalen Warenaustausch, indem Oberbaselbieter Bauern den Aarauer Wochenmarkt belieferten. Zollstellen nördlich und südlich des Übergangs weisen aber auch auf eine Einbindung in den überregionalen Handel hin. Strateg. Bedeutung kam dem Pass im Schwabenkrieg 1499 zu, als eidg. Truppen über die S. österr. Territorium umgingen, um von Aarau nach Dornach zu gelangen. Im sog. Schafmatthandel konkurrierten Basel und Bern mit Solothurn um die Zolleinkünfte aus den parallel verlaufenden Fernhandelsstrecken über den Unteren Hauenstein und die S. Mit der Erschliessung des Bänkerjochs 1705-06 wichen Erstere Solothurns Blockade des Transithandels an der S. aus. Im 18. Jh. kam dem Pass nur noch regionale, im 19. Jh. keine Bedeutung mehr zu.


Literatur
– W. Reber, Zur Verkehrsgeographie und Gesch. der Pässe im östl. Jura, 1970
UB SO 2
– E. Schwabe, «Ein historisch interessanter Jurapass, die S.», in Der Mensch in der Landschaft, hg. von K. Aerni et al., 1986, 467-474
IVS Dok. BL 13; SO 11

Autorin/Autor: Philippe Hofmann