17/09/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Breil/Brigels

Polit. Gem. GR, Kreis Disentis, Bez. Surselva. Die Gem. umfasst das Hauptdorf B. auf einer Terrasse nördl. über dem Vorderrheintal, die Fraktionen Dardin-Capeder (Dardin) unterhalb des Dorfes und Danis-Tavanasa (Danis, Tavanasa) im Talgrund. 765 in Bregelo, seit 1943 rätorom. Breil, dt. Brigels. 1850 1'086 Einw.; 1888 848; 1900 859; 1910 1'033; 1950 1'169; 1960 1'272; 2000 1'187.

Der Landesausbau erfolgte in röm./frühma. Zeit. 765 schenkte der Churer Bf. Tello dem Kloster Disentis seinen Grosshof mit Herrenhaus in B. mitsamt Gütern und Eigenleuten in Dardin, Danis, Schlans und Trun. Auf dem Hügel St. Eusebius finden sich Reste einer frühma. Befestigung mit Kirche. Marmarola im östl. Teil von B. war wahrscheinlich ein Meierturm der Abtei; er brannte 1496 nieder (heute Ruine). In B. lebten viele sog. äussere Freie von Laax (ca. 200 Personen), die sich 1536 in das Hochgericht Cadi einkauften und 1542 ein eigenes Statthaltergericht bekamen. Zusammen mit Medel bildete B. in der Cadi den dritten Hof. Pestzüge forderten 1550 316 Tote, 1556 180 und 1631 130 Opfer. 1738 lösten die Einwohner die Zehntrechte ab. Die Pfarrkirche S. Maria im Dorf B. ist wohl frühma. Ursprungs und wird 1185 urkundlich im Besitz des Klosters Disentis erwähnt. 1491 wurde sie Disentis inkorporiert. Bis ins 17. Jh. war S. Maria Mutterkirche für Dardin, Danis und Schlans. Insgesamt standen zwölf Kirchen und Kapellen auf Gemeindeboden von B. Das traditionelle Bauerndorf pflegte über den Kistenpass engere Beziehungen zu Glarus und war dank der Fam. Latour im 17.-19. Jh. ein polit. Zentrum der Cadi. Die Strasse B.-Waltensburg/Vuorz (1870) und die Kantonsstrasse Tavanasa-B. (1890) dienten auch dem in der 2. Hälfte des 19. Jh. einsetzenden Sommertourismus (v.a. Bildungsreisende). Seit 1945 ist B. Schiessplatz der Fliegerabwehr, seit 1946 ein Zentrum der Elektrizitätswirtschaft, die in B. und Tavanasa Ausgleichsbecken und Zentralen unterhält. Mit dem Ausbau der Skilifte Pez d'Artgas (1972) begann die Entwicklung zum Wintersportzentrum. 1990 beschäftigte der 1. Sektor 15% der in B. Erwerbstätigen, der 2. Sektor 35% und der 3. Sektor 50%. Der rätorom. Sprachanteil betrug 1990 83%. Seit 1911 besteht das Naturschutzgebiet Scatlè nordwestlich des Dorfes B.


Literatur
Kdm GR 4, 1942, 342-482
Terra Grischuna 1962, Nr. 5, 352-356
– I. Müller, Gesch. der Abtei Disentis von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1971
Gem. GR

Autorin/Autor: Adolf Collenberg