Verlobung

Die bis ins 19. Jh. als "Eheversprechen" bezeichnete V. ist das gegenseitige Versprechen der beiden Verlobten, sich zu ehelichen (Ehe). Mit der V., die der Werbung folgte, traten die Verlobten in den Brautstand. Dieser wurde mit der Hochzeit beendet.

Das Eheversprechen gab es bereits im MA. Nach röm. Recht war die V. (sponsalia) ein Rechtsgeschäft, dessen Regelung v.a. der Kirche, d.h. dem bischöfl. Matrimonialgericht, unterlag. Dazu kamen Bestimmungen aus den germ. Stammesrechten, wonach die V. (desponsatio) in einem schriftl. oder mündl. Vertrag zwischen dem Bräutigam und dem Brautvater (später der Braut selbst) bestand. Ähnlich einem Kaufvertrag wurde, oft in Anwesenheit von Zeugen, ein Ehevertrag zur Klärung der Besitz- und Erbschaftsverhältnisse aufgesetzt. Die Bestätigung des Vertrags erfolgte wie auch in späteren Jahrhunderten mit einem Handschlag, einem gemeinsamen Weintrunk, einem Verlobungsmahl und/oder der Übergabe eines Ehepfands. Dabei konnte es sich um einen beliebigen Gegenstand handeln. Häufig wurde ein Geldstück, der sogenannte Haftpfennig, überreicht.

Durch die Reformation erhielt die V. eine neue Bedeutung. Während sie in den kath. Orten gemäss kanon. Recht das Versprechen war, die Ehe zu schliessen, wurde sie in den ref. Gebieten als Beginn der Ehe betrachtet. Hier folgte der Verlobungszeit die Trauung, die eine geringere Bedeutung als das Eheversprechen hatte. Wurde die Rechtmässigkeit der V. bestritten, konnte eine der beiden Parteien an ein Ehegericht (Sittengerichte) gelangen, das nach dem ref. Kirchenrecht zu entscheiden hatte. Bis Ende des 18. Jh. war die Auflösung der V. schwierig und wurde selten angestrebt, da sie einer Scheidung gleichkam. Insbesondere wenn die Frau schwanger war, musste der Mann Schadenersatz leisten (Voreheliche Empfängnis). In manchen Kantonen ging die Verpflichtung zur Ehe so weit, dass diese auch in Abwesenheit des Verlobten geschlossen wurde, etwa wenn dieser flüchtig war. Wenn hingegen das beidseitige Einverständnis vorlag, konnte die V. einfacher aufgelöst werden. Dann musste eine Eheschimpfbusse entrichtet werden.

Im 18. Jh. wandelte sich die Bedeutung der V., als sich im Bürgertum das Konzept der Liebesehe allmählich durchsetzte. Die Trauung gewann im Gegensatz zur V. an Wichtigkeit. Das Ehepfand stellte zunehmend ein Zeichen ehel. Zuneigung dar: Die beiden Verlobten schenkten sich schon ab dem 17. Jh. Kleidungsstücke (als Sinnbilder und Teil des Inhabers), Taschentücher, Gürtel, Messer, Uhren oder Schmuck. Eine besondere Rolle spielte der Verlobungsring, der meist aus Silber oder mit einem Stein versehen war. Der Ring wurde zunächst vom Bräutigam geschenkt und von der Braut am sog. Herzfinger, d.h. am Ringfinger der linken Hand, getragen. Erst ab dem 19. Jh. fand ein Ringtausch statt.

1912 wurde die V. unter dem Terminus "Verlöbnis" in den Art. 90 bis 95 des Zivilgesetzbuchs geregelt. Die Ausführungen betrafen v.a. die Ansprüche (Schadenersatz, Genugtuung, Rückgabe von Geschenken) nach einem Bruch der V. Im 20. Jh. wurde das Versenden von Anzeigen zur Bekanntgabe des Eheversprechens immer beliebter. In den 1940er und 50er Jahren konnten sich Paare mittels Kursen und themenspezif. Büchern auf ihre V. vorbereiten. Parallel zum Wandel der Institution Ehe verlor das Eheversprechen Ende der 1960er Jahre stark an Bedeutung. Die V. fiel nun ganz weg oder wurde gänzlich individualisiert. Eine Renaissance erfuhr sie in den späten 1980er Jahren. Die V. erfolgt seither zu zweit, etwa bei einem feierl. Abendessen, oder anlässlich eines kleinen Festes.


Literatur
– H. Bächtold, Die Gebräuche bei V. und Hochzeit mit besonderer Berücksichtigung der Schweiz, 1914
– P. Wehrli, V. und Trauung in ihrer geschichtl. Entwicklung von der Reformation bis zum Untergang der alten Eidgenossenschaft, 1933
– C. Rubi, Liebstes Herz, ich bitte dich!, 1969
Encycl.VD 10, 93-114
– P. Hugger «Liebe, Partnerschaft, Ehe ...», in Hb. der schweiz. Volkskultur 1, hg. von P. Hugger, 1992, 129-140
LexMA 8, 1550
– R. Siffert, V. und Trauung, 2004

Autorin/Autor: Cornelia Renggli