Malans

Politische Gemeinde GR, Kreis Maienfeld, Bezirk Landquart. Bezirkshauptort mit geschütztem Ortsbild. M. liegt an den hist. Transitrouten des Rheintals und bildete den Ausgangspunkt der ehem. wichtigen Strassen durch die Klus und über den Fadärastein ins Prättigau. Um 840 in villa Mellanze, 956 Malanz. 1850 912 Einw.; 1880 838; 1900 873; 1950 1'345; 2000 1'908. Im Ruchenberg befindet sich eine bronzezeitl. Siedlung. Im FrühMA war M. Ausbaugebiet und ein Mittelpunkt des Weinbaus; 956 schenkte Kg. Otto I. dem Bf. von Chur Malanser Weinberge. Im HochMA gehörte M. zur königl. Grundherrschaft der Burg Wynegg, ab 1437 mit Jenins zur niederen Herrschaft Neu Aspermont. 1400-1600 wurde M. durch den Zuzug v.a. von Nordalemannen germanisiert. Im 14. und 15. Jh. bildeten sich die polit. Körperschaften, u.a. ein frei wählbarer Rat. M. war ab 1509 Glied des Hochgerichts Maienfeld. Das bis ins 19. Jh. aristokratisch beherrschte M. forderte 1798 als erste Gem. Bündens den Anschluss an die helvet. Republik. Im gleichen Jahr wurden in M. die prohelvet. Zeitungen "Der Rhät. Staatsbothe" und "Der Merkur Hohen-Rhätiens" herausgegeben. 1803 wurde die Gem. selbstständig. Die Kirche St. Cassian, in der Mitte des 12. Jh. erstmals bezeugt, war ab 1209 im Besitz des Churer Bischofs; die älteste der vier vorher gebauten Kirchen stammt aus dem 6. Jh. M. wurde 1525-26 als eine der ersten Bündner Gem. reformiert. 1275 sind Schuhmacher, 1387 Hopfenanbau, 1393 Maurer bezeugt. M. war ein wichtiger Umschlagplatz an der Nord-Süd-Handelsroute und besass das im 17. Jh. urkundlich erw. Wochenmarktrecht; hier versorgte sich das Prättigau. 1840 erfolgte der Bau der Umfahrungsstrasse nach Landquart, 1859 der Rheintal-Eisenbahn, was schliesslich 1864 zur Aufgabe des Marktes führte. Auch die 1861 errichtete Wollspinnerei und -weberei ging ein. 1613-1835 war M. im Besitz der Tardisbrücke. Industrie und Handel sind zu Beginn des 21. Jh. bescheiden ausgebildet (Gewerbezone Karlihof), der Weinbau dominiert.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 38-56
– R. Donatsch, M. in der Bündner Herrschaft, 21981
Gem. GR

Autorin/Autor: Adolf Collenberg