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Sismondi, Jean Charles Léonard Simonde de

geboren 9.5.1773 Genf,gestorben 25.6.1842 Chêne-Bougeries, ref., von Genf. Sohn des Gédéon, Pfarrers und Mitglieds des Rats der Zweihundert, und der Henriette-Gabrielle-Esther Girod. Grossneffe des Jean Pierre Sartoris, Neffe des Jacob Vernes, Cousin des François Vernes. ∞ 1819 Jessie Allen, Engländerin, Tante von Charles Darwin. 1792 begann S. an der Akad. Genf ein Rechtsstudium, unterbrach es aber 1793, weil er mit seiner Fam. bis 1794 vor der Genfer Revolution nach England fliehen musste. Nachdem er während der Genfer Terreur im Sommer 1794 inhaftiert worden war, liess er sich in Florenz, 1795-1800 in Pescia (Toskana) nieder. Da er überzeugt war, von den S. von Pisa abzustammen, fügte er seinem Nachnamen Simonde um 1796/97 den Zusatz S. hinzu. 1803-04 und ab 1806 arbeitete er als Schreiber der Handelskammer des Dep. Léman. Vom Sommer 1804 an nahm er an den Treffen der Gruppe von Coppet teil und begleitete 1804-05 Germaine de Staël nach Italien, 1808 nach Deutschland. An der Akad. Genf hatte er 1809-20 einen Lehrstuhl für Moralphilosophie inne und 1820-35 eine Honorarprofessur für Geschichte. Während der Herrschaft der Hundert Tage unterstützte er Napoleon und seine konstitutionelle Monarchie. Als Liberaler und Anhänger des Juste-Milieu gehörte er 1814-41 dem Genfer Repräsentierenden Rat und 1841 dem Verfassungsrat an. Nach 1815 wohnte S. abwechslungsweise in Genf, Chêne-Bougeries (ab 1833 sein Hauptsitz), Frankreich, Italien (v.a. auf seinem Gut Valchiusa bei Pescia) und England. Die Restauration lehnte S. ab, da sie seinen liberalen und fortschrittl. Zielen zuwiderlief. Entsprechend begeistert begrüsste er die Julirevolution von 1830.

Obschon S.s Ruf auf seinen hist. und volkswirtschaftl. Arbeiten beruht, beschäftigte er sich auch mit Agronomie, polit. Philosophie, Demografie, Statistik, Botanik und Literatur. Verteidigte er anfänglich in seinem Werk "De la richesse commerciale" (2 Bde., 1803) Adam Smiths nationalökonom. Theorie, kritisierte er später unter dem Eindruck der sozialen Folgen des freien Wettbewerbs, des Einsatzes von Maschinen und des staatl. Laisser-faire in seinen Studien "Nouveaux principes d'économie politique" (2 Bde., 1819) und "Etudes sur l'économie politique" (2 Bde., 1837-38) die Theoretiker der klass. Nationalökonomie. S. setzte sich auch für die Unabhängigkeit und Einheit Italiens ein und gilt als einer der Väter des Risorgimento. In seinen Augen war das MA die Wiege der modernen Zivilisation. Als Kind der Aufklärung stellte er die Idee des Glücks, des sozialen Fortschritts und der Freiheit ins Zentrum seines Schaffens. S. gehörte zahlreichen Akademien und wissenschaftl. Gesellschaften an. 1841 wurde er Ritter der Ehrenlegion.


Werke
Histoire des républiques italiennes du Moyen-Age, 16 Bde., 1809-18
Histoire des Français, 31 Bde., 1821-44
Archive
– Teilnachlässe in: BGE, Staatsarchiv in Pescia
Literatur
– J.R. von Salis, S., 1773-1842, 1932 (erweiterter Neudr. 1973)
– S. Stelling-Michaud et al., S. européen, 1976
– P. Waeber, S., Tl. 1, 1991
S. e la civiltà toscana, hg. von F. Sofia, 2001
Sismondiana 1-, 2005-

Autorin/Autor: Boris Anelli / CBA