08/09/2004 | Rückmeldung | PDF | drucken

Birmensdorf (ZH, Gemeinde)

Polit. Gem. ZH, Bez. Dietikon, im Reppischtal gelegen, mit dem Weiler Landikon und zahlreichen Berghöfen. Die früheren Weiler Wullikon, Schüren, Güpf, Uf Dorf und Risi sind heute mit dem Dorf zusammengewachsen. 876 piripoumesdorf. 1634 ca. 460 Einw.; 1749 848; 1836 1'082; 1850 1'096; 1900 1'101; 1950 1'480; 2000 5'451.

Siedlungsspuren des Meso- und Neolithikums sowie der Bronzezeit wurden in den Fildern und an andern Orten entdeckt, röm. Spuren in B. (Bernsteinfigur), Landikon, Fildern und Ristet. Das ma. Dorf mit Meierhof, Taverne, Schmiede, Mühle und Martinskirche hat seinen Ursprung in einer frühma. Siedlung am Weg von Zürich nach Bremgarten (AG) bei den Flussübergängen über Reppisch und Wüeribach (Pfahlfunde auf ca. 610 datiert). 876 schenkte der Adlige Adalpern einen Teil seiner Grundherrschaft dem Zürcher Fraumünster. Weitere Zürcher Gotteshäuser, die Klöster St. Blasien (Schwarzwald), Muri und Engelberg sowie Zürcher Bürger teilten sich später in den Besitz von B. Der Fronhof B. kam wahrscheinlich im 11. Jh. von den Frh. von Sellenbüren an das Kloster St. Blasien. Dieses arrondierte die Grundherrschaft und baute den Fronhof zum Verwaltungshof mit Twing und Bann aus. Der Hofverband umfasste B., Oberurdorf, die Widum Stallikon sowie Höfe im Limmattal und Knonaueramt (erste Offnung 1330er Jahre, erstes Urbar 1359). Die Grundherrschaft bestand nach der Reformation bis zur Aufhebung des Klosters 1808 weiter, kam dann an den Grosshzg. von Baden und über die jüd. Handelsgesellschaft Moses und Hänlein Guggenheim 1812 an die Stadt Zürich. Im Zuge der Bildung der polit. Gem. 1834 wurde das Gerechtigkeitsgut der Dorfgenossen in die Holzkorporation B. überführt. B. wurde 1798 dem helvet. Distrikt Mettmenstetten, 1803 dem Bez. Horgen, 1815 dem Bez. Zürich und 1989 dem Bez. Dietikon eingegliedert.

Zur 1325 dem Kloster St. Blasien inkorporierten Kirche St. Martin gehörten urspr. auch die St. Georgenkirche Reppischtal, die Kapellen Aesch bei B. und Islisberg. 1659 wurden Langhaus und Chor neu erbaut. Die Kirchgemeinde umfasst heute noch B. und Aesch bei B. Im 16. und 17. Jh. war B. ein Zentrum der Wiedertäufer. Zu Beginn des 17. Jh. richteten die Dorfgenossen eine unentgeltl. Freischule ein, welche auch die Kinder von Aesch besuchten. Der Hauptverkehr durch B. verlief urspr. von Zürich über B. nach Bremgarten. Erst 1829 wurde als neue Verbindung die Strasse Zürich-Landikon-Knonaueramt gebaut, die 1856 durch die Strasse Zürich-B.-Knonaueramt ersetzt und 1864 durch die Ämtlerbahn (Zürich-Zug) ergänzt wurde. Das in B. im 18. und 19. Jh. verbreitete Baumwollspinnen und -weben in Heimarbeit endete mit dem Bau der mechan. Baumwollspinnerei und -zwirnerei Landikon 1862 sowie der Seiden- und Baumwollzwirnerei Uf Dorf 1868. 1889 gründete der Engländer C.H. Stearn in B. die erste schweiz. Glühlampenfabrik, die Zurich Incandescent Lamp Co. Die Industrialisierung leitete die Entwicklung B.s als Vorort von Zürich ein. 1940-46 fand eine Melioration und Güterzusammenlegung statt. 1987 wurde der Waffenplatz Zürich nach B. verlegt.


Literatur
Birmensdorfer Beitr. zur Heimatkunde, 1970-
Urk. und Materialien zur Gesch. von B., 1987-

Autorin/Autor: Reinhard Möhrle