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Sankt Peter (GR)

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Schanfigg, Bezirk Plessur, bildete 2008-2012 mit Pagig die Gemeinde Sankt Peter-Pagig, seit 2013 Teil der Gemeinde Arosa. Dorfsiedlung (1160 m) mit zwei geschlossenen Quartieren am Nordhang des mittleren Schanfigg. 1137-39 sancto Petro. 1808 197 Einw.; 1850 108; 1900 115; 1950 161; 2000 154. Die 831 erstmals erw. Schanfigger Talkirche in S. gehörte zusammen mit dem äusseren Dorfteil Laeschgas zum Kloster Pfäfers, das dort den Zehnten dreier Siedlungen bezog. Bis gegen 1200 war die Gegend weitgehend ausgebaut. Die Burgstelle bei Lavein geht wohl auf die im 12. und 13. Jh. bezeugten Herren von S. zurück. S. bildete als Nachbarschaft einen Teil der gleichnamigen Gerichtsgemeinde. Die Talkirche und der Landsgemeindeplatz machten es zu deren Mittelpunkt.

Die Gerichtsgemeinde S. (auch Ausserschanfigg genannt) entstand aus dem Zusammenschluss der unter der gleichen Hochgerichtsbarkeit stehenden Nachbarschaften S., Peist, Molinis, Pagig, Castiel, Lüen, Calfreisen und Maladers (bis ins SpätMA beim Churer Vogteigericht). Landesherren dieser ehemals romanischsprachigen Orte des äusseren und mittleren Schanfigg waren als bischöfl. Lehensnehmer bis 1338 die Vazer. Ihnen folgten die Werdenberger, 1363 erstmals die Toggenburger. Hans de Cresta, Ammann von S., gehörte 1436, nach dem Tod des letzten Toggenburgers, zu den Mitbegründern des Zehngerichtenbundes. Neue Landesherren wurden ab 1437 die Montforter, nach 1471 die Matscher, ab 1479 Österreich, dem S. einen Dreiervorschlag zur Wahl des Ammanns machen musste. Um 1530 wurde die Reformation eingeführt. Die rom. Sprache verschwand gegen 1570. Der Auskauf der österr. Herrschaftsrechte erfolgte 1652, der bischöfl. Lehensrechte 1657. Die Gemeinden des ehemaligen Gerichts bilden seit 1851 mit Langwies und Arosa den Kreis Schanfigg innerhalb des Bezirks Plessur. 1875-77 wurde die Talstrasse erbaut, 1914 die Station S.-Molinis der Arosabahn sowie 1984 ein Skilift eröffnet. Wichtigste Erwerbsquellen waren die Viehwirtschaft und der Ackerbau (Hanf). Es besteht ein Kies- und Betonwerk.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 203-209
– F. Pieth, «Aus der Gesch. des Tales Schanfigg», in JHGG 81, 1951, 97-125
Gem. GR

Autorin/Autor: Jürg Simonett