Peist

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Schanfigg, Bezirk Plessur, seit 2013 mit Calfreisen, Castiel, Langwies, Lüen, Molinis und Sankt Peter-Pagig Teil der Gemeinde Arosa. Strassendorf am Nordhang des mittleren Schanfigg. 1084 de Paiste. 1780 312 Einw.; 1850 236; 1900 160; 1950 180; 2000 229. Ein Hof des Churer Klosters St. Luzi in P. wird 1149 erwähnt. Das Churer Domkapitel bezog im 12. Jh. Schaf-, Wein- und Roggenzehnten. Bis ins 13. Jh. war P. innerste Siedlung des von Romanen ausgebauten Ackerlands. Die 1262 bezeugten Herren von P. sassen wahrscheinlich auf der gleichnamigen Burg. Landesherren waren als bischöfl. Lehensnehmer bis 1338 die Vazer, denen die Werdenberger und 1363 die Toggenburger folgten. Die Germanisierung setzte im 14. Jh. mit dem Zuzug von Walsern aus den obersten Randlagen des Tals ein. Mit der Gerichtsgemeinde St. Peter schloss sich P. 1436 dem Zehngerichtenbund an. Neue Landesherren waren ab 1437 die Montforter, nach 1471 die Matscher und ab 1479 Österreich. Kirchlich gehörte P. zu St. Peter, die eigene Kirche St. Calistus und Florinus wird 1478 erwähnt. Die Reformation wurde um 1530 eingeführt. Der Auskauf der Herrschaftsrechte erfolgte 1652, derjenige der bischöfl. Lehensrechte 1657. Neben Viehwirtschaft und Ackerbau ist in P. auch das Handwerk traditionell gut verankert. Dorfbrände ereigneten sich 1622, 1724, 1749 und 1874, ein grosser Erdrutsch 1975. Die Talstrasse (1875-77) und die Arosabahn (1914) verbinden P. mit Chur. 2005 waren 35% der Arbeitsplätze in P. dem 1. Sektor und 54% dem 2. Sektor zuzurechnen.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 203
– F. Jecklin «Aus der Gesch. der Gem. P.», in BM, 1946, 238-251, 317

Autorin/Autor: Jürg Simonett