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Trembley, Jean

geboren 13.4.1749 Genf, gestorben 18.9.1811 Le Mas-d'Agenais (Aquitanien), ref., von Genf. Sohn des Jacques-André ( -> 5). Cousin des Jean-Charles ( -> 8). ∞ 1790 Marie-Elisabeth de Ribeaupierre, Tochter des Marc-Etienne. T. studierte Recht an der Akad. Genf, bevor er sich den Naturwissenschaften, der Philosophie und der Psychologie (bei Charles Bonnet) zuwandte. 1767 promovierte er bei Horace Bénédict de Saussure mit einer Dissertation über die Fortpflanzung. 1786 reiste er in den Norden Europas. 1794 wurde er ordentl. Mitglied der Preuss. Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo er sich bis spätestens Anfang 1807 aufhielt. Danach liess er sich in Frankreich nieder. T. trug zur Entwicklung der Differenzialgleichungen und der Wahrscheinlichkeitsrechnung bei und löste physikal. sowie mechan. Aufgaben mit Hilfe der Geometrie. Er veröffentlichte psycholog. Abhandlungen, deren originellste 1781 in den Verhandlungen der Akad. der Wissenschaften in Haarlem erschien und den Nutzen sowie die Weiterentwicklung der Psychologie betraf. Als weniger bedeutende, aber charakterist. Figur der Aufklärung in der Schweiz schlug T. Brücken zwischen dem franz. und dt. Kulturraum, etwa indem er das Werk des Philosophen Johann Heinrich Lambert in franz. Sprache vorstellte. Er postulierte die moral. und kognitive Bedeutung von empir. Fakten in der Mathematik, Physik, Psychologie, Ästhetik, Theologie und Politik und trat zum Kampf gegen Vorurteile an, die seiner Meinung nach im Systemdenken lagen ("Essai sur les préjugés: où l'on traite principalement de la nature et de l'influence des préjugés philosophiques" 1790).


Archive
– BGE, Nachlass
Literatur
– E. Trembley, «Un savant genevois: Jean T.-Colladon 1749-1811, son jugement sur le monde scientifique de Paris en 1786», in BHG 9, 1948, 103-117
– P.-F. Geisendorf, Les T. de Genève, de 1552 à 1846, 1970, 283-287
– F. Vidal, «Psychologie empirique et méthodologique des sciences au siècle des Lumières: l'exemple de Jean T.», in Archives des sciences 57, 2004, 15-37

Autorin/Autor: Fernando Vidal / GL