Lüen

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Schanfigg, Bezirk Plessur, seit 2013 mit Calfreisen, Castiel, Langwies, Molinis, Peist und Sankt Peter-Pagig Teil der Gemeinde Arosa. Haufendorf am Nordhang des mittleren Schanfigg. 1084 Leune, rätorom. früher Leun. 1850 83 Einw.; 1900 68; 1950 77; 2000 74. Röm. Fundmünze. Der Stiftungsurkunde von 1084 zufolge statteten die freien rätorom. Nachbarn von L. die eben gebaute Kirche St. Zeno mit Gütern aus ihrem Eigen aus und schenkten sie dem Churer Bischof. Die Urkunde lässt auf eine intensive Besiedlung mit Ackerbau (Hanf), Obstbau und Schafwirtschaft schliessen. Den Vazern als bischöfl. Lehensnehmern folgten 1338 die Werdenberger, 1363 die Toggenburger. Als Nachbarschaft der Gerichtsgemeinde St. Peter schloss sich L. 1436 dem Zehngerichtenbund an. Neue Landesherren waren ab 1437 die Montforter, nach 1471 die Matscher, ab 1479 Österreich. Um 1530 setzte sich die Reformation durch. 1570 war L. noch romanischsprachig. 1652 erfolgte der Auskauf der Herrschaftsrechte, 1657 derjenige der bischöfl. Lehensrechte. 1875-77 wurde 200 m oberhalb von L. die Talstrasse gebaut, 1914 wurden die Station L.-Castiel der Arosabahn sowie die Kraftwerkzentrale eröffnet.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 192-198
– F. Pieth, «Aus der Gesch. des Tales Schanfigg», in JHGG 81, 1951, 97-125
– Y. Kocherhans, Schanfigg, 1999
– R. Furter, Schanfigg: Bevölkerung und Wirtschaft 17. bis 19. Jh., Liz. Bern, 2000

Autorin/Autor: Jürg Simonett