01/12/2016 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Langwies

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Schanfigg, Bezirk Plessur, seit 2013 mit Calfreisen, Castiel, Lüen, Molinis, Peist und Sankt Peter-Pagig Teil der Gemeinde Arosa. Zu L. im hinteren Schanfigg gehörten die Weiler und Hofsiedlungen Platz, Litzirüti, Fondei und Sapün. Der Ort liegt an der kürzesten Verbindung zwischen Chur und Davos über den Strelapass. 1384 die lang Wise. 1623 ca. 670 Einw.; 1850 358; 1900 285; 1950 383; 1980 286; 2000 303. In Fondei wurde eine Lanzenspitze aus der jüngeren Eisenzeit gefunden. Ab 1273 wurde auf Initiative des Churer Domkapitels und des Klosters St. Luzi das hintere Schanfigg besiedelt, vorerst vom rätorom. Peist aus, ab 1307 durch Einwanderung von deutschsprachigen Walsern. In L., dem Ausgangspunkt zu den Seitentälern, kam 1385 die Marienkirche (Kollatur beim Kloster Pfäfers) zu stehen. Die Gerichtsgemeinde L. konstituierte sich gegen 1400 als Zusammenschluss der von deutschsprachigen Siedlern bewohnten Nachbarschaften L., Praden, Fondei und Sapün im inneren Schanfigg (ausser Arosa). Landesherren waren bis 1338 die Vazer; ihnen folgten die Werdenberger, 1363 erstmals die Toggenburger. Ab 1436 bildete L. mit St. Peter ein Hochgericht des Zehngerichtenbundes. Im Gegensatz zum damals rätorom. Ausserschanfigg hatte L. ein eigenes Niedergericht mit freier Ammannwahl, wie der Freiheitsbrief von 1441 bestätigt. Neue Landesherren waren ab 1437 die Montforter, ab 1471 die Matscher, ab 1479 Österreich. Reformation um 1530. 1652 Auskauf der Herrschaftsrechte, 1657 der bischöfl. Lehensrechte. Mit den Ausserschanfigger Gemeinden sowie Arosa (ab 1857), aber ohne Praden, bildete L. 1851 den Kreis Schanfigg innerhalb des Bezirks Plessur. 1875-77 Bau der Fahrstrasse von Chur, 1888-91 bis nach Arosa. Seit 1914 bestehen in L. und Litzirüti Stationen der Bahn Chur-Arosa. Fondei ist nicht mehr ganzjährig bewohnt.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 186-192
– E. Meyer-Marthaler, «L. und die Anfänge seines Gerichts», in BM, 1977, 329-354
– R. Furter, «L.», in BM, 2000, 59-72

Autorin/Autor: Jürg Simonett