23/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Aesch bei Birmensdorf

Polit. Gem. ZH, Bez. Dietikon. Haufendorf in einer erhöhten Geländekammer abseits grösserer Verkehrsachsen südl. von Birmensdorf (ZH). 1184 Asche, ab dem 15. Jh. oft Esch ennend Albis. 1467 7 Haushaltungen; 1634 234 Einw.; 1850 442; 1900 2881950 323; 1970 472; 2000 950.

Röm. Siedlungsspuren wurden östl. des Dorfes entdeckt. A. ist in einem (umstrittenen) Stiftungsbrief des Klosters Engelberg belegt, jedoch nur in einem späteren Zusatz. Im 12. Jh. hatte Engelberg Grundbesitz in A., und im SpätMA waren auch die Klöster Kappel, St. Blasien (D) und das Zürcher Grossmünster Grundbesitzer. Hochgerichtl. gehörte A. dem habsburg. Aargau an. 1415 kam das Hochgericht zu Zürich. Die niedere Gerichtsbarkeit war im 13. Jh. wahrsch. ein kyburg., später österr. Lehen. Als solches wechselte sie mehrmals die Hand: 1262 erwarb Engelberg die Vogtei über A. von Diethelm von Zug, dessen Vorgänger Ulrich von Hedingen gewesen war. Im 14. Jh. taucht Rudolf von Bonstetten als Besitzer der Vogtei auf. Er verkaufte sie 1369 dem Zürcher Bürger Eberhard Müller. 1462 unterstellte Zürich A. mit Wiedikon und Altstetten (1477) dem städt. Reichsvogt. 1496 wurde Wiedikon wieder abgetrennt, und Altstetten und A. bildeten bis 1798 zusammen eine Obervogtei. Eine Sonderstellung hatte die sog. Schenkenvogtei zu A. und Islisberg. Sie erscheint 1381 in der Hand Heinrichs I. von Rüssegg, dessen Sohn sie 1411 der Bruderschaft der Grossmünsterkapläne in Zürich verpfändete. In der Helvetik gehörte A. zum Distrikt Mettmenstetten. Im MA hatte A. eine Kapelle (abgegangen, bei Heiligenmatt), gehört aber bis heute kirchl. zu Birmensdorf. Die Kapelle wurde 1709 ersetzt durch das Türmli, das bis 1838 Schulhaus war, 1967 renoviert und seither als Gemeindekanzlei genutzt wird. Bis zum 2. Weltkrieg blieb A. eine ausgesprochene Bauerngem. mit rückläufiger Bevölkerungszahl. 1837 standen 164 Landwirte (mit insgesamt nur 9 Dienstboten) 6 Viehhändlern und 20 Landhandwerkern gegenüber. 1944 erfolgte mit der Melioration und Güterzusammenlegung die Aussiedlung der Bauernbetriebe aus dem Dorfkern. 1960 schlossen sich die polit. Gem., die Holzkorporation, die Flurgenossenschaft und Privatleute zur Dorfgenossenschaft A. zusammen, um dem wachsenden Siedlungsdruck aus der Stadt Zürich aktiv zu begegnen und die bäuerl. Selbsthilfe zu fördern. In der Folge entstanden zunächst in Hanglagen attraktive Einfamilienhaus-Quartiere. Die Bauerngem. wandelte sich zur Wohngem. mit (1990) 76% Wegpendlern sowie 19% Arbeitsplätzen im 1. und 69% im 3. Sektor.


Quellen
SSRQ ZH I/1, 27-46
Literatur
– K. Egloff, 850 Jahre A., 1124-1974, 1974
– E. Gugerli, Dok. A., 3 Bde., 1981-85

Autorin/Autor: Martin Illi