01/02/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Castiel

Polit. Gem. GR, Kreis Schanfigg, Bez. Plessur. Dorfsiedlung mit zwei geschlossenen Kernen (Ober-, Unterdorf) am Nordhang des Schanfigg. 1132 Castellum. 1808 54 Einw.; 1850 72; 1880 126; 1900 90; 1950 92; 1960 82; 2000 119.

Auf der künstlich abgeplatteten Hügelkuppe Carschlingg oberhalb der Kirche sind versch. prähist. Besiedlungsphasen nachgewiesen worden (mittlere Bronze-, späte Hallstatt-, späte Latènezeit). Von einer Siedlung aus spätröm. Zeit lassen sich eine Umfassungsmauer, eingetiefte Holzhäuser und ein nachträglich erstellter Steinbau nachweisen. Nach Auflassung oder eingeschränkter Benützung fand im 6. und 7. Jh. eine Neubelebung mit Holz- und Steinbauten sowie Bering statt. Noch vor der Karolingerzeit scheint der Platz verlassen worden zu sein. Belege für eine vielfach vermutete hochma. Burganlage fehlen. Das Geschlecht der de Castello (bis Ende 12. Jh.), das eine kleine Grundherrschaft innehatte, schenkte 1132 seinen Kirchenanteil samt Zehnten dem Churer Hochstift. Das Patrozinium St. Georg (darum St. Georg oder St. Jörgen für C.) wird Mitte des 12. Jh. erwähnt. Bis ca. 1200 war der Landesausbau des mittleren Schanfigg weitgehend abgeschlossen. Den Vazern als bischöfl. Lehensnehmern folgten 1338 die Werdenberger, 1363 erstmals die Toggenburger. Als Nachbarschaft der Gerichtsgem. Sankt Peter schloss sich C. 1436 dem Zehngerichtenbund an. Landesherren waren ab 1437 die Montforter, nach 1471 die Matscher, ab 1479 Österreich. Die Herrschaftsrechte wurden 1652 ausgekauft, die bischöfl. Lehensrechte 1657. Die Reformation erfolgte um ca. 1530. Noch 1570 romanisch, ist C. heute deutschsprachig. Viehwirtschaft und Ackerbau (u.a. Hanf) sind die wichtigsten Erwerbsquellen geblieben. Das Podestatshaus (1619) ist das einzige bedeutende Bürgerhaus des Tals. 1875-77 wurde die Fahrstrasse erbaut, 1914 die Station Lüen-C. der Arosabahn.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 182-186
– F. Pieth, «Aus der Gesch. des Tales Schanfigg», in JHGG 81, 1951, 97-125

Autorin/Autor: Jürg Simonett