• <b>Jean-Pierre de Crousaz</b><br>Porträt des Mathematikers und Philosophen im Jahr 1738,   Barthélemy Guillibaud  zugeschrieben (Université de Lausanne, Salle du sénat; Fotografie Claude Bornand).

No 10

Crousaz, Jean-Pierre de

geboren 13.4.1663 Lausanne, gestorben 22.2.1750 Lausanne, ref., von Chexbres. Sohn des Abraham ( -> 1). ∞ Louise de Loys. C. studierte Theologie und Philosophie in Lausanne, Leiden und Paris. 1694-99 wirkte er als Diakon der Stadt Lausanne, ab 1700 war er Prof. der Philosophie an der Akad., 1706-08 und 1722-24 auch Rektor. Hier führte C. die kartesian. Denkschule ein, obwohl er gemäss Anweisungen von Bern die Orthodoxie bewahren sollte. Im Ausland war er anerkannt: Er hatte den ersten Preis der Akad. der Wissenschaften in Paris sowie eine Goldmedaille der Akad. von Bordeaux gewonnen. Trotzdem geriet er 1723 in die Turbulenzen um die umstrittene Formula Consensus und in die Affäre Davel, worauf er Lausanne verlassen musste. 1724 unterrichtete er Philosophie in Groningen, 1726-33 wirkte er als Hauslehrer des Fürsten Friedrich II. von Hessen-Kassel. Wieder in Lausanne, hatte er 1738-48 erneut den Lehrstuhl für Philosophie inne. Sein Werk "Système de réflexions qui peuvent contribuer à la netteté et l'étendue de nos connaissances ou nouvel essai de logique" (1712) machte ihn in ganz Europa bekannt. C. unterhielt einen umfangreichen Schriftwechsel mit den Gelehrten seiner Zeit. Mit dem Werk "Traité du beau" (1715) wurde er zum Pionier der Ästhetik-Geschichte. Die prot. Orthodoxie bekämpfte seine Werke zur Mathematik und Pädagogik. Sie hielt ihm vor, den Katechismus durch Euklid ersetzen zu wollen. C. war einer der wichtigsten Vermittler neuen Denkens in der 1. Hälfte des 18. Jh. Ab 1725 war er Mitglied der königl. Akad. der Wissenschaften in Paris.

<b>Jean-Pierre de Crousaz</b><br>Porträt des Mathematikers und Philosophen im Jahr 1738,   Barthélemy Guillibaud  zugeschrieben (Université de Lausanne, Salle du sénat; Fotografie Claude Bornand).<BR/>
Porträt des Mathematikers und Philosophen im Jahr 1738, Barthélemy Guillibaud zugeschrieben (Université de Lausanne, Salle du sénat; Fotografie Claude Bornand).
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Archive
– BCUL, Nachlass
Literatur
– J. de La Harpe, Jean-Pierre de C. et le conflit des idées au siècle des Lumières, 1955
DSB 3, 484-486

Autorin/Autor: Roger Francillon / EB