17/08/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken

Arosa

Polit. Gem. GR, Kreis Schanfigg, Bez. Plessur. Alpiner Sport- und Kurort an den südöstl. Abhängen der Weisshornkette, im hintersten, sich nach Süden und Osten öffnenden Talkessel des Schanfigg. Die Siedlungen der Viertel Innerarosa, Dorf-Obersee, Untersee und Maran-Prätschli liegen zwischen 1690 und 1950 m. Um 1330 Araus, 1383 Orossen, 1428 Arosa. Zwischen 1550 und 1750 ca. 125 Einw.; 1850 56; 1900 1'071; 1930 3'466; 1941 1'980; 2000 2'771. Heute unterliegt die Bevölkerungszahl starken saisonalen Schwankungen zwischen ca. 4'600 im Jan. und 2'500 im Mai.

1222 ist ein von Romanen besiedelter Hof Merans (Maran) des Klosters Churwalden erwähnt. Die verm. sechs bis sieben Einzelhöfe der zu Beginn des 14. Jh. in A. angesiedelten deutschspr. Walserfam. waren durch die Frh. von Vaz dem Hofverband Davos angegliedert. Die Walser waren persönl. frei und hatten den Vazern um 1330 Zins in Form von Käse, Wolle, Schafen und Butter abzuliefern. Die Herrschaftsrechte wechselten 1337 von den Frh. von Vaz zu den Gf. von Toggenburg, nach 1436 zu den von Montfort, danach zu den von Matsch. 1470 gelangten sie an das Haus Habsburg, von dem sich das Hochgericht Davos mitsamt der Nachbarschaft A. 1649 loskaufte. Nachdem ein erster Versuch 1542 noch gescheitert war, löste sich A. 1851 von Davos und wurde polit. Gem. 1911 gelangte der Hof Maran mit Alp und Wald von Peist zu A. Kirchl. gehörte A. urspr. zur Pfarrei Obervaz. 1384 erbauten die Aroser mit den Leuten aus Sapün und Fondei die Kirche in Langwies als Filiale von St. Peter, 1492 zusammen mit den Bewohnern von Maran und Prätsch das sog. Bergkirchli in Innerarosa (Barbara-und-Jodokus-Patrozinium). A. löste sich 1520 von der Pfarrei Langwies und trat 1528 zur Reformation über. 1907-09 wurden die ref., die kath. (heute Jugendherberge) und die engl. Kirche (1985 abgebrochen) in Dorf-Obersee erbaut. Die Katholiken errichteten 1935-36 die Marienkirche.

1400-1560 wurde in bescheidenem Umfang Erz an Erzhorn, Tschirpen und Rothorn abgebaut und in der Isel geschmolzen. Bis ins späte 19. Jh. dominierte die Viehzucht mit Alpwirtschaft: 1438 löste Davos mit A. den Lehenzins gegenüber den Erben der Gf. von Toggenburg aus. Die Alpnutzung wurde durch Aufteilung in Kuhrechte geregelt, über die jeder Alpgenosse frei verfügen konnte. Ab 1443 verkauften die Aroser wiederholt Güter und Kuhrechte an Auswärtige. Vor 1596 waren so die Furggaalp an Maienfeld, das Welschtobel an Alvaneu, Altein und die Sattelalp an die Stadt Chur, die Schönbodenalp teilweise an Chur und Maienfeld gelangt. Nach lang währenden Streitigkeiten mit Chur kaufte A. 1781 Teile der Schönbodenalp (heute Aroser Alp) zurück.

1880 begann die Entwicklung zum Kur- und Sportort. Der um 1875 stärker einsetzende Zustrom von Sommergästen hatte 1877-78 zur Eröffnung erster Pensionen geführt. 1880-83 bauten Einheimische erste Hotels, 1884 wurde der Kurverein gegründet. Der Bau des ersten Sanatoriums für Lungenkranke 1888 durch Dr. Otto Herwig und die Aufnahme von Patienten in bereits bestehenden Häusern führte A. zum Kurort mit Jahresbelegung. Ende des 19. Jh. besuchten erste Skitouristen A. 1888-90 entstand die Strasse Langwies-A., 1897 das Elektrizitätswerk A., 1912-14 die Privatbahn Chur-A. (1942 der RhB angegliedert). 1916 erfolgte der Bau der Bündner Heilstätte, die 1960 zum Hotel umgebaut wurde. Das 1921 gegr. Lichtklimat. Observatorium zur wiss. Erforschung des Aroser Klimas wurde unter Prof. Paul Götz Teil der internat. Reihe von Ozon-Beobachtungsstationen. Im Bauboom von 1927-31 wurden zahlreiche Sanatorien in Hotels umgebaut. Seit 1911 führt A. Pferderennen auf Schnee durch. 1938 wurden die ersten Skilifte erstellt, 1945 und 1956 die ersten Seilbahnen. 1939 errichtete die ETH Zürich auf dem Tschuggen eine Sternwarte. Der Bau erster Appartementhäuser leitete 1959 einen zweiten Bauboom im Zeichen des Zweitwohnungsbaus ein. Das seit 1973 geltende Nachtfahrverbot und die Einführung des Gratisbusbetriebs 1988 sind Versuche, den Innerortsverkehr zu zügeln. 2000 stammten 60% der Feriengäste aus der Schweiz, 27% aus Deutschland, 5% aus den Beneluxstaaten und 3% aus Grossbritannien. Die Zahl der Gästebetten stieg von 750 (1900) über 3'500 (1930) auf 11'000 (2000), jene der Logiernächte von 97'400 (1905) über 536'000 (1930) auf 975'000 (2000).


Literatur
– R. Just, Die Gem. A., 1908
– M. Bundi, Zur Besiedlungs- und Wirtschaftsgesch. Graubündens im MA, 1982
A. ... in Kürze, 1986
– H. Danuser A. wie es damals war, 6 Bde., 1997-2002

Autorin/Autor: Hans Danuser