Churwalden (Gemeinde)

Politische Gemeinde GR, Kreis Churwalden, Bezirk Plessur. Strassendorf an der Rabiusa und am Übergang über die Lenzerheide, mit Passugg, Araschgen, Weilersiedlungen und Einzelhöfen sowie seit 2010 mit Malix und Parpan. 1149 silva Augeria, 1191 de Curwalde. 1623 ca. 575 Einw.; 1850 695; 1900 620; 1950 815; 1990 1'247; 2000 1'236.

Menschl. Präsenz in röm. Zeit belegt ein Münzfund. Das einst ausgedehnte Waldgebiet an der Septimerroute (Hospiz 1210 erw.) ist v.a. hochma. Neusiedlungsland des Prämonstratenserklosters C. Den Landesausbau, ausgehend vom klösterl. Meierhof, betrieben sowohl rom. als auch Kolonisten. Bereits im 16. Jh. war C. germanisiert. Neben der 1149 erwähnten Marienkirche entstanden die Kirchen St. Maria und Nikolaus für ein Frauenkloster (13./14. Jh.) und St. Michael (13. Jh.) für das Männerkloster. Letztere diente auch als Pfarrkirche. Ab 1599 verwaltete ein Administrator den Besitz des verwaisten Klosters, dessen Kirche 1616-1967 von der evang. Kirchgemeinde mitbenützt wurde. 1275 erscheinen die Vazer als Inhaber der Herrschaft Strassberg (Burg bei Malix), nach 1338 hintereinander Toggenburger, Montforter und Matscher. Das aus dieser Herrschaft und der klösterl. Kastvogtei entstandene Gericht C. schloss sich 1436 dem Zehngerichtenbund an. Ab 1471 machte C. zuhanden des Landvogts einen Dreiervorschlag zur Ammannwahl. Die österr. Rechte wurden 1649 ausgekauft. Traditionelle Erwerbsquellen waren Viehwirtschaft, Ackerbau sowie der Durchgangsverkehr an der sog. Oberen Strasse, wo C. mit Lenz eine der Porten bildete. Eine Fahrstrasse entstand 1834-40. Die Gerichtsgemeinde C., mit den Nachbarschaften Malix, C., Parpan und Tschiertschen, ging 1851 unter Zuzug von Praden in den Kreis C. über. Ab Mitte des 19. Jh. etablierte sich C. als Molken- und Luftkurort. Skilifte und Sesselbahnen dienen seit 1961 dem Tourismus. 1986 standen 58% der 2'053 Fremdenbetten in Zweitwohnungen. 1990 waren 55% der in C. Erwerbstätigen im 2. (Fleischtrocknereien), 37% im 3. Sektor beschäftigt.


Literatur
Kdm GR 2, 1937, 215-248
– N.G. Markoff, F. Brüesch, Land und Leute von C., 1985

Autorin/Autor: Jürg Simonett