• <b>Zell (ZH)</b><br>Aufführung des Kinderoratoriums "D'Zäller Wiehnacht" in der reformierten Kirche Zell. Fotografie, 1960 (Zentralbibliothek Zürich, Musikabteilung). Nur ein Jahr nach seinem Umzug von Zürich nach Zell schrieb der Komponist Paul Burkhard ein Krippenspiel und brachte es mit einheimischen Schulkindern in der Adventszeit 1960 zur Aufführung. Es wurde als bekanntestes Schweizer Kinderoratorium in bisher zwanzig Sprachen übersetzt. Von den insgesamt acht durch Spielszenen miteinander verknüpften Liedern fanden "Das isch de Schtärn vo Bethlehem" und "Was isch das für e Nacht" Aufnahme im Gesangbuch der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz (1998).

Zell (ZH)

Polit. Gem. ZH, Bez. Winterthur, im mittleren Tösstal, umfasst Z. sowie die 1933 aufgelösten Zivilgem. Ober- und Unterlangenhard, Au-Kollbrunn und Rikon sowie mehrere Einzelsiedlungen wie Rämismühle und Lettenberg (mit abgegangener Filialkapelle). 741 Cella. 1580 552 Einw.; 1780 ca. 900; 1836 1'685; 1850 1'855; 1900 1'666; 1950 2'892; 1970 4'008, 2000 4'595.

Reste einer spätröm. Portikusvilla, einer Einsiedlerklause und ein Kirchenbau aus der Zeit um 900 wurden unter der ref. Kirche entdeckt. 741 schenkte Beata Grundbesitz in Z. dem Kloster Lützelau. Durch den Verkauf desselben an das Kloster St. Gallen wurde Z. Curia und in der 2. Hälfte des 9. Jh. auch Ausstellungsort von Urkunden dieser Abtei. Die Gerichtsbarkeit lag im HochMA beim Haus Kyburg. Mit der im späteren 12. Jh. gebauten und im 16. Jh. abgegangenen Burg Liebenberg oberhalb von Au an der Töss als Mittelpunkt errichteten die kyburg. Schenken zu Liebenberg ein eigenständiges Herrschaftsgebilde. Entsprechend der teils hügeligen, teils eingeengten Lage des Gemeindegebiets war die Flurverfassung heterogen; Zelgenblöcke, Egarten- und Urwechselwirtschaft bestanden nebeneinander, was das rasche Aufkommen der textilen Protoindustrie schon im früheren 17. Jh. begünstigte.

Die heutige Saalkirche stammt aus dem 1. Viertel des 16. Jh.; darin integriert sind der Turmchor der rom. Kirche mit der 1958-59 freigelegten Ausmalung aus dem 2. Viertel des 14. Jh. und den 1930 weitgehend zerstörten Übermalungen von 1464. Die Kirche wurde 1789 gegen Westen verlängert und barockisiert; die "Regotisierung" erfolgte 1958-59.

An der Töss setzte die Industrialisierung früh ein. Die jeweiligen Wasserrechte der Mühlen nutzend, entstanden 1817-18 erste mechan. Spinnereien in Rikon und Rämismühle, denen 1824, 1842 und 1850 bzw. 1855 weitere Anlagen folgten. Die Spinnfabriken in Kollbrunn, wo sich 1831 eine mechan. Werkstätte für Spinnmaschinen niederliess, wurden 1833 und 1837 gegründet.

Um 1850 war das Gemeindegebiet hochindustrialisiert. Zuzüger bewirkten ein rasches Wachstum der Bevölkerung in der Talachse, während die Einwohnerzahl im einst wohlhabenden Bauern- und Weberdorf Oberlangenhard auf dem Hochplateau abnahm. Die Tösstalstrasse wurde 1817-18 und 1837-39 ausgebaut. Die 1875 eröffnete Tösstalbahn verfügte auf dem Gemeindegebiet über drei Stationen. Typ. soziale Gegensätze des frühen Fabrikzeitalters wurden innerhalb der Gemeinde abgebaut, u.a. dadurch, dass sich die Unternehmer aktiv an der Gemeindepolitik beteiligten und ihre Interessen an Gemeindeversammlungen direkt darzulegen wussten. Zeitweise bestanden Spannungen zwischen den eingesessenen Fabrikarbeitern mit Grundeigentum und zugezogenen Arbeitern ohne eigenes Haus; sie verschwanden jedoch rasch infolge der Durchsetzung eines auf dem Einwohnerprinzip basierenden Gemeindeverständnisses. Die Krise nach 1880 zog einen vorübergehenden Bevölkerungsrückgang nach sich.

Die Textilindustrie Z.s kämpfte von den 1960er Jahren an mit den branchenübl. Strukturproblemen. Die Folgen waren Anfang des 21. Jh. noch spürbar. Frühe Fabrikbauten, Fabrikantenwohnbauten, Arbeiterhäuser, Kanal- und Weihersysteme bilden exemplar. Ensembles schützenswerter Industrielandschaften. Die Weiher sind teils als Naturschutzgebiete von Bedeutung. Am Bolsternbuck (Kollbrunn) entwickelte sich ab ca. 1960 ein wegen seiner Nähe zu Winterthur bevorzugtes Wohngebiet. Das Schülersingspiel "Zäller Wiehnacht" des Komponisten Paul Burkhard, das 1960 erstmals in der Dorfkirche Z. aufgeführt wurde, fand grosse Verbreitung. Das seit 1968 bestehende tibet. Kloster in Hinter-Rikon wurde zu einem wichtigen geistigen und kulturellen Zentrum für Exiltibeter.

<b>Zell (ZH)</b><br>Aufführung des Kinderoratoriums "D'Zäller Wiehnacht" in der reformierten Kirche Zell. Fotografie, 1960 (Zentralbibliothek Zürich, Musikabteilung).<BR/>Nur ein Jahr nach seinem Umzug von Zürich nach Zell schrieb der Komponist Paul Burkhard ein Krippenspiel und brachte es mit einheimischen Schulkindern in der Adventszeit 1960 zur Aufführung. Es wurde als bekanntestes Schweizer Kinderoratorium in bisher zwanzig Sprachen übersetzt. Von den insgesamt acht durch Spielszenen miteinander verknüpften Liedern fanden "Das isch de Schtärn vo Bethlehem" und "Was isch das für e Nacht" Aufnahme im Gesangbuch der evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz (1998).<BR/>
Aufführung des Kinderoratoriums "D'Zäller Wiehnacht" in der reformierten Kirche Zell. Fotografie, 1960 (Zentralbibliothek Zürich, Musikabteilung).
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Literatur
– H. Kläui, O. Sigg, Gesch. der Gem. Z., 1983
Kdm ZH 7, 1986, 112-171
– H.-P. Bärtschi, Industriekultur im Kt. Zürich, 1994, 82-91

Autorin/Autor: Otto Sigg