Küblis

Polit. Gem. GR, Kreis Küblis, Bez. Prättigau/Davos. Strassendorf im Prättigau bei der Abzweigung nach St. Antönien, Conters und Fideris/Jenaz (hist. Weg), umfasst neben dem Dorf K. die Weiler Prada, Tälfsch und Pläviggin. 1351 ze Cüblins, 1389 Kúblis. 1850 455 Einw.; 1900 416; 1950 716; 2000 830. Die im 15. Jh. zerfallene Burg derer von Kapfenstein (Ober-Sansch) war ursprünglich im Besitz der gleichnamigen Herren, dann der Frh. von Vaz (Mitte 13. Jh. bis 1338), die im Prättigau die hohe Gerichtsbarkeit ausübten und ausgedehnte Güter besassen; im inneren Prättigau folgten ihnen 1338-1436 die Gf. von Toggenburg, dann die von Montfort und von Matsch, deren Nachfolge 1477-1649 Österreich antrat. Ab 1436 war K. als Nachbarschaft des Gerichts Klosters Ausserschnitz (seit 1851 Kreis K.) dem Zehngerichtenbund zugehörig.

Die Kirche St. Nikolaus, urkundlich 1428 als Tochterkirche von St. Johannes in Schiers erstmals erwähnt, wurde 1464 durch Wildwasser zerstört, 1472 neu gebaut. Um 1530 erfolgte der Übertritt zur Reformation und die Bildung einer eigenen Pfarrei. Die im 14. Jh. von Klosters her einsetzende Walsereinwanderung führte zur Germanisierung, die Mitte des 16. Jh. abgeschlossen war. Mehrmals wurde K. von Hochwassern heimgesucht (1464, 1762, 1910). Bis um 1920 blieb die Viehzucht Haupterwerbszweig der Kübliser Bevölkerung. Im 16. Jh. wurde kurzfristig eine Eisenschmelzhütte betrieben. Wirtschaftl. Impulse brachten der Bau der Prättigauer Talstrasse (1843-63) und der Anschluss an die RhB von Landquart nach Davos (1890). 1920-22 baute die AG Bündner Kraftwerke die Kraftwerkzentrale K., deren finanzielle Abgaben eine wichtige Einnahmequelle für K. darstellen. Auch Baugewerbe, Handwerk und Industrie (Holz- und Metallverarbeitung) erlebten dadurch einen Aufschwung. Seit den 1930er Jahren Parsenn-Tourismus. Starke Belastung K.s durch Prättigauerstrasse, der höchst frequentierten Strasse Graubündens. 2000 stellte der 3. Sektor fast zwei Drittel der Arbeitsplätze in K.


Literatur
Gem. GR
– M. Thöny, Prättigauer Gesch., 1991

Autorin/Autor: Otto Clavuot