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Klosters-Serneus

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Polit. Gem. GR, einzige Gem. des Kreises Klosters, Bez. Prättigau/Davos, 1865 durch die Vereinigung der ehem. Gem. Serneus und Klosters entstanden (1973 Namensänderung der Gem. von Klosters auf K.). Letzteres, oberstes Dorf im Prättigau, besteht aus den Fraktionen Platz, Dorf, Selfranga, Äuja und Monbiel. Die ursprüngl. Streusiedlung ist teilweise zusammengewachsen. 1222 ecclesiam sancti Iacobi, 1436 zuo dem Closter. 1850 1'302 Einw.; 1900 1'555; 1930 2'558; 1950 2'978; 2000 3'890.

Eine bronzezeitl. Lanzenspitze wurde am Schlappiner Joch gefunden. Die Siedlung Klosters erwuchs im SpätMA im Wesentlichen aus dem Hofverband der Propstei St. Jakob, teilweise auf Rodungsland. Einige Höfe verdichteten sich zu Weilern, so Brüggen mit Gewerbebetrieben am Mönchalpbach (1514 Klostermühle, Schmiede). Hinzu kamen Rodungshöfe vermutlich von Davos her eingewanderter Walser, v.a. an der linken Talflanke. Im Hochtal von Schlappin bestand neben der Alpnutzung bis ins 16. Jh. eine walser. Dauersiedlung. Die Germanisierung war im frühen 16. Jh. abgeschlossen. Die Grundherrschaft lag bei der zwischen 1208 und 1222 als Filiale Churwaldens gegr. Prämonstratenserpropstei St. Jakob, gestiftet und bevogtet wohl von den Frh. von Vaz. 1482 wurde die Pfarrkirche St. Lorenz von Saas im Prättigau der Propstei inkorporiert. Während der Reformation wurde St. Jakob 1526 aufgehoben, der Klosterbesitz säkularisiert und als Pfrundgut verwendet. Unsichere Spuren des Klosters sind im südöstl. Teil der evang. Pfarrkirche, der ehem. Klosterkirche, vorhanden. Deren Turm datiert in das frühe 13. Jh., der Chor auf 1493. Die kath. Kirche wurde 1921-22 errichtet und 1963 neu gebaut (2000 fast zwei Drittel ref., ein Viertel kath.). Die Gerichtsgem. Klosters entstand aus dem Ammanngericht des Landesherrn (bis 1337/38 Frh. von Vaz, danach bis 1436 Gf. von Toggenburg, bis 1466/70 Gf. von Montfort, 1477-1649 Habsburg-Österreich). 1436 verbündete sich Klosters mit den übrigen toggenburg. Gerichten zum Zehngerichtenbund. Anlässlich eines Streits zwischen Romanisch- und Deutschsprachigen um das Ammannamt zog der österr. Landesherr 1489 die Wahlbefugnis von der Gem. wieder an sich. Im Ancien Régime bestanden Rat und Gericht nebst dem Landammann aus einem Kollegium von 16 Geschworenen mit Weibel und Schreiber. Bis 1851 gliederten sich Gerichtsgemeinde und Hochgericht Klosters in Inner- und Ausserschnitz: Innerschnitz entsprach territorial der heutigen polit. Gem. K.; Ausserschnitz umfasste Saas, Conters, Küblis und die linke Talseite von St. Antönien. Die Zweiteilung des Hochgerichts äusserte sich in der abwechselnden Bestellung des Landammanns und in der Besetzung der Verwaltungsämter für die Bündner Untertanengebiete. 1803 wurden die beiden Teile vollständig getrennt. Der Innerschnitz gliederte sich in die nachbarschaftl. Verbände der innersten, mittleren und äussersten Gem., welche v.a. die Alpnutzung organisierten. Nicht beweidete Bergwiesen (Mähder) wurden unter Zurücksetzung der Beisässen zur privaten Nutzung ausgegeben. Neben Viehwirtschaft (Exporte nach Oberitalien) wurde im 15. bis 19. Jh. auch Kornbau betrieben.

Aus der Aufhebung der Propstei 1526 war ein Rechtsstreit mit Habsburg-Österreich erwachsen. Nach mehreren vertragl. Regelungen im 16. Jh. sollte 1621 ein österr. Truppeneinfall die Restitution des Klosters erzwingen; den Brandschatzungen von 1621 und 1622 folgte 1623 eine Hungersnot. 1649 gelang schliesslich der Auskauf der landesherrl. Rechte durch die Gerichtsgemeinde. In der 2. Hälfte des 17. Jh. grassierte der Hexenwahn mit ca. 50 Hinrichtungen im Hochgericht Klosters. Ein Bergsturz forderte 1770 in Monbiel 19 Todesopfer und zerstörte div. Bauten. Silber, Blei und Eisen wurden im ausgehenden 15. und im 16. Jh., in kurzfristigen, erfolglosen Versuchen bis ins frühe 20. Jh. an versch. Stellen abgebaut. Mit der Fertigstellung der Prättigauer Landstrasse 1861 nahm der Waren- und der Personenverkehr zu. Um 1870 setzte der Tourismus nach dem "Luftkurort" Klosters ein: Bereits 1879 standen die ersten grossen Hotelbauten (Silvretta, Vereina). Durch die RhB-Linie Landquart-Klosters (1889) erfuhr der tourist. Verkehr eine weitere Steigerung (1890 Gründung des Kurvereins). Nach der ersten Wintersaison 1904-05 etablierte sich Klosters bald als Wintersportort. Von kriegsbedingten Rückschlägen in der Zwischen- und Nachkriegszeit erholte sich der Ort rasch: heizbares "Strandbad" 1921, Bergbahnen Gotschna 1950, Madrisa 1966. Die rege Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte im Bereich der Parahotellerie wird durch ein neues Baugesetz und den Zonenplan von 1973 geregelt. Der 1991 begonnene Vereina-Tunnel der RhB wurde 1999 dem Verkehr übergeben.


Literatur
– F. Hew, Gesch. meiner Heimat Klosters, 1945 (21965 unter dem Titel "Kosterer Heimatbuch")
– H. Plattner, Klosters, 1968
– F. Hitz, M. Kasper-Kuoni, Die Kirche St. Jakob in Klosters, 1493-1993, 1993

Autorin/Autor: Florian Hitz