Jenaz

Polit. Gem. GR, Kreis J., Bez. Prättigau/Davos. Die Gem. umfasst das alte Terrassendorf links der Landquart, das neue Strassendorf im Talboden sowie den Weiler Rüti rechts der Landquart und die Fraktion Pragg-J. am Furnerbach. 2. Hälfte 12. Jh. Junazis, rätorom. Gianatsch. 1850 806 Einw.; 1888 997 (Bahnbau); 1900 820; 1950 1'053; 2000 1'130. Im 12. Jh. besassen das Churer Domkapitel und das Kloster St. Nicolai Güter in J. Die Hoheitsrechte lagen bei der Herrschaft Castels. 1436 trat J. als Teil des Gerichts Castels dem Zehngerichtenbund bei. 1662 erfolgte die Gerichtsteilung in Castels-J. und Castels-Luzein. Die in der 2. Hälfte des 12. Jh. erw. St. Peterskirche (ab 1511 St. Peter und Paul) war Mutterkirche von St. Antönien und Furna. Das Kollaturrecht lag bei der Castelser Herrschaft. Um 1526 erfolgte die Reformation. Die bis dahin vollzogene Germanisierung war u.a. eine Folge der ab dem 14. Jh. einsetzenden Zuwanderung der Walser ins Mittelprättigau. Das Bad J. im Valdavos, 1733-1834 in Betrieb, erreichte nach der Vergrösserung von 1766 seine Höchstkapazität von 130 Gästen. Die Mineralquelle ist seit der Neufassung 1941 der Öffentlichkeit zugänglich. Viehzucht herrschte vor mit zahlreichen Alpen, daneben wurde auch Korn- und Obstbau betrieben. Der Ausbau der Talstrasse 1843-63 und die Bahnverbindung 1889 begünstigten die Entwicklung des Gewerbes (v.a. Baugewerbe und Holzverarbeitung). Ab 1947 schuf das benachbarte Spanplattenwerk Fideris zahlreiche Arbeitsplätze, erzeugte allerdings bis in die 1980er Jahre im Raum Fideris-J. eine starke Luftverschmutzung. 1977 wurde die Umfahrungsstrasse eröffnet. 2000 arbeitete rund die Hälfte der in J. Erwerbstätigen im 2. Sektor. Zahlreiche Einwohner pendeln zur Arbeit, insbesondere ins Churer Rheintal (2000 55% Wegpendler). Im Dorfkern stehen stattl. Strickhäuser und das 1822 erbaute sog. Schlössli. 2000 wurde in J. das Schulzentrum mit Sekundarschule für den ganzen Kreis eingeweiht.


Literatur
– P. Gillardon, Gesch. des Zehngerichtenbundes, 1936
J.R. Truog, Jenazer Heimatbuch, 31982

Autorin/Autor: Otto Clavuot