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Lentulus, Robert Scipio von

geboren 18.4.1714 Wien, gestorben 26.12.1786 Bern, ref., von Bern und ab 1768 von Neuenburg. Sohn des Cäsar Joseph ( -> 1). Baron. ∞ 1) 1748 Anna Maria, Gf. von Schwerin, 2) 1781 Julie Rosine von Erlach, Tochter des Abraham. Schwager des Abraham von Erlach. 1728 trat L. in österr. Dienste ein. 1744 geriet er bei Prag in preuss. Kriegsgefangenschaft. Dort fiel er Kg. Friedrich II. auf, in dessen Dienst er 1746 wechselte. Nach der Erneuerung seiner Berner Burgerschaft, die sein Vater wegen des Übertritts zum Katholizismus verloren hatte, wurde er 1745 Mitglied des Berner Rats der Zweihundert. Als Kavallerieoffizier zeichnete L. sich insbesondere im Siebenjährigen Krieg aus. 1757 stieg er zum Generalmajor, 1767 zum Generalleutnant auf. 1768 ernannte ihn Kg. Friedrich II. von Preussen während der Gaudot-Affäre, einem steuerrechtl. Zwist zwischen dem König und seinen Neuenburger Untertanen, zum Gouverneur des Fürstentums Neuenburg. L. befehligte eines der zwei Truppenkorps, die Bern gegen Neuenburg entsandte. Das Korps kehrte aber in Ins um. Erst nach Beilegung des Konfliktes im August zog L. als Gouverneur in Neuenburg ein. Daneben übernahm L. mehrere Gesandtschaften an ausländ. Höfe. Im Jan. 1769 erreichte er erneut Berlin. 1779 verzichtete er offiziell auf seinen Titel als Gouverneur von Neuenburg, wo er nur wenige Wochen verbracht hatte, quittierte den preuss. Dienst und kehrte nach Bern zurück. Als Vogt von Köniz und Mitglied des Kriegsrats führte er 1781 bzw. 1782 Berner Truppen nach Freiburg bzw. Genf zur Bekämpfung der städt. Unruhen. Er hatte bedeutenden Einfluss auf die letzten Militärreformen der Republik Bern. Ritter des preuss. Hohen Ordens vom Schwarzen Adler.


Literatur
– J.-H. Bonhôte, «Les gouverneurs de Neuchâtel pendant le XVIIIe siècle: Robert-Scipion de L.», in MN, 1890, 155-159
– Feller, Bern 3, 384-386, 507-511
– F. Häusler, «Spes Pacis in Armis», in 100 Jahre kant. Militäranstalten Bern, 1878-1978, 1978, 51-60
– H. Schnitter, «Rupert Scipio Frh. von L.», in Schweizer im Berlin des 18. Jh., hg. von M. Fontius, H. Holzhey, 1996, 151-157

Autorin/Autor: Eric-André Klauser / MD