Santa Maria Val Müstair

Ehem. polit. Gem. GR, Kreis Val Müstair, Bez. Inn, seit 2009 mit Fuldera, , Müstair, Tschierv und ValchavaTeil der neuen polit. Gem. Val Müstair, an der Abzweigung der Umbrailpassstrasse gelegen. Zum kreuzförmig angelegten Dorf gehören die Höhensiedlungen Craistas, Büglios und Pütschai sowie der Weiler Sielva mit dem Spital. Rätorom. auch Soncha Maria. 1850 437 Einw.; 1900 385; 1950 420; 2000 327. Vom nahen Kloster Müstair her sowie durch Rodungstätigkeit einiger freier Leute entstanden im HochMA erste Höfe. Um 1167/70 ist die Kapelle Sancte Mariae in Silvaplana bezeugt, woran der heutige Name des Weilers Sielva erinnert. Die bischöfl. Kapelle ging 1294 durch Schenkung ans Kloster Müstair über und war eine bekannte Wallfahrtskirche. Im 13. Jh. existierten ein kleines Chorherrenstift und ein Hospiz. Ende des 15. Jh. wurde S. eine eigene Pfarrei. Dank der günstigen Lage an der Abzweigung zum Umbrailpass sowie zum Übergang ins Valle di Fraéle wurde es zum Hauptort des Tals. Während der Schlacht an der Calven 1499 und der Bündner Wirren 1621-22 wurde das Dorf zerstört, 1630 grassierte die Pest und 1764 brannte ein Teil von S. ab; der Brandstifter wurde hingerichtet. 1799-1800 wurde S. von den Feldzügen der Österreicher und Franzosen betroffen. Aus der Zeit der Grenzbesetzung 1914-18 bestehen auf dem Umbrailpass noch zahlreiche Spuren. Die Reformation wurde in S. zwischen 1526 und 1530 eingeführt. Die spätgot. Kirche von 1492 diente lange Zeit beiden Konfessionen. Nachdem die letzte Katholikin 1837 gestorben war, wurde das Gnadenbild des Altars in einer feierl. Prozession ins Kloster Müstair überführt. Von der vorübergehenden österr. Herrschaft kaufte sich das Tal 1762 aus. Eine Gem. im modernen Sinn wurde S. 1854. Die Landwirtschaft spielt auch zu Beginn des 21. Jh. noch eine wichtige Rolle. Einige Gewerbebetriebe (u.a. die Webstube) sowie ein sanfter Tourismus in der Nähe des Nationalparks und des Sommerskigebiets Stilfserjoch bieten weitere Verdienstmöglichkeiten. 2000 gaben 70% der Bevölkerung das Rätoromanische als Muttersprache an.


Literatur
– C. Gustin, S., 2[1988]

Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm