25/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Müstair (Dorf)

Ehem polit. Gem. GR, Kreis Val M., Bez. Inn. Seit 2009 Fraktion der polit. Gem. Val M. zusammen mit Fuldera, , Santa Maria Val Müstair, Tschierv und Valchava. Lang gezogenes Strassendorf. Unterste und grösste Siedlung des Val M., östlichste Gem. der Schweiz. Zum ehem. Gemeindegebiet gehört das Val Mora, das sich in Richtung Lago di Livigno entwässert. Zu Beginn des 9. Jh. monasterium Tuberis, dt. Münster (offizieller Name bis 1943), ital. zeitweise auch Monastero. 1835 513 Einw.; 1850 475; 1900 599; 1950 776; 2000 745. Ein vermutlich spätbronzezeitl. Gebäudegrundriss wurde unter dem Nordstall des Klosters entdeckt. Das Benediktinerinnenkloster mit der karoling. Dreiapsidenkirche aus dem letzten Viertel des 8. Jh. war für die Geschichte des Dorfs prägend. Meierhöfe gruppierten sich um das Kloster, ein Herrenhof aus dem 10. Jh. dürfte eine otton. Schenkung an den Bf. von Chur gewesen sein. Im 13. Jh. war wohl die Herauslösung der Siedlung M. aus dem Territorium von Taufers (Südtirol) abgeschlossen. 1239 ist erstmals ein Markt bezeugt, an dem v.a. graues Tuch verkauft und exportiert wurde. 1367 trat das Gericht Münstertal dem Gotteshausbund bei. Vor der Schlacht an der Calven 1499 war M. Besammlungsort der Bündner Truppen, anschliessend wurde das Dorf durch österr. Truppen zerstört. Im Gegensatz zu den anderen Talgemeinden wurde in M. die ref. Lehre nicht eingeführt. Während der Bündner Wirren wurde das Dorf erneut verwüstet. 1696 übernahmen Kapuziner die Seelsorge im Dorf, 1709 entstand das Kapuzinerhospiz. 1728 verkaufte der Bf. von Chur das Tal an Österreich, 1762 erfolgte der Rückkauf. 1854 wurde M. eine eigene Gemeinde. Seit den 1970er Jahren haben sich versch. Gewerbe- und Industriebetriebe im Grenzdorf niedergelassen; auch aufgrund des Nationalparks entwickelte sich ein sanfter Tourismus.


Literatur
– P. Nolfi, Das bündner. Münstertal, 21969
– I. Müller, Gesch. des Klosters M., 1978
– C. Foffa, Val M., 2003

Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm