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Roveredo (GR)

Polit. Gem. GR, Hauptort des gleichnamigen Kreises und des Bez. Moesa. 1219 de Regoredo, dt. früher Rofle. 1802 749 Einw.; 1850 1'084; 1900 1'136; 1950 1'846; 2000 2'108. Grabungen förderten röm. Kupfer- und Bronzemünzen und ein röm. Gräberfeld zutage. Ab der langobard. Zeit wurde R. in vier Degagne unterteilt: Campagna (heute S. Giulio), S. Fedele, Toveda und Oltracqua. Die Nachbarschaft R. wurde dem Hochgericht Misox zugeteilt und ging spätestens im 11. Jh. als Lehen an die Frh. von Sax. 1480 verkaufte Johann Peter von Sax die Herrschaft Misox an Gian Giacomo Trivulzio. Dieser liess den Sitz der Herren von Sax, nun Palazzo Trivulzio, der 1335 schon einmal erneuert worden war, renovieren und befestigen und errichtete in R. eine Münzstätte. Kirchlich war R. ursprünglich dem Stift S. Vittore unterstellt. S. Giulio, belegt ab 1219, wurde 1481 Pfarrkirche. Weitere Sakralbauten sind die Kirchen S. Antonio aus der Mitte des 14. Jh. (erweitert um 1620), Madonna del ponte chiuso bzw. S. Anna (1524 erw. und im 17. Jh. in barockem Stil erweitert) sowie S. Rocco in Carasole (erw. 1481). Vom 16. bis 18. Jh. hat R. eine stattl. Zahl von Künstlern hervorgebracht, die als Architekten, Stuckateure oder Maler in dt. Ländern und in Österreich wirkten, so die Albertalli, Barbieri, Bonalini, Broggio, Comazio, de Gabrieli, Riva, Sciascia und Zuccalli. Eine erste Schule datiert von 1572. 1583 gründete Carlo Borromeo das Jesuitenkollegium, dem aber nur kurze Dauer beschieden war. 1747-1853 bestand das Gymnasium de Gabrieli, das Kollegium S. Giulio, nachmals S. Anna, öffnete 1855 seine Pforten. Das Dorf ist Sitz einer Oberstufenschule sowie des Kreis- und Bezirksgerichts. Der Monte Laura (1380 m) entwickelte sich v.a. im Sommer zu einem beliebten Ferienort. Die Eisenbahnlinie Bellinzona-Mesocco, die 1907 eingeweiht worden war, stellte 1972 den Betrieb ein. Der Bau der Autostrasse A13 in den 1960er Jahren, die mitten durchs Wohngebiet verläuft, hatte beträchtl. Auswirkungen auf Umwelt und Ortsbild von R. Eine neue Umfahrungsstrasse, z.T. in einem Tunnel, soll 2014 fertiggestellt werden.


Literatur
– P. Stanga, Ricerche storiche su R. (GR), 2004

Autorin/Autor: Cesare Santi / BT