15/06/2015 | Rückmeldung | PDF | drucken

Mesocco (Gemeinde)

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit Bildern illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Polit. Gem. GR, Bez. Moesa, Kreis Mesocco. M. ist die nördlichste Gem. im Misox und mit einer Fläche von 164,9 km2 eine der grössten des Kantons. Sie wurde schon im 9. Jh. im Churrät. Reichsgutsurbar erwähnt und besteht aus elf Fraktionen, darunter dem Bergdorf San Bernardino, und ist Sitz der Sekundarschulen, des Kreisgerichts und zahlreicher Verwaltungsstellen. 1203 Mesoco, 1383 Misogg. Dt. auch Misox, rätorom. Mesauc. 1701 1'013 Einw.; 1773 921; 1802 862; 1850 1'182; 1900 1'173; 1950 1'150; 2000 1'201. Frühe menschl. Spuren wurden am Ende des 19. Jh., in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. und während der Bauarbeiten an der A13 bei Tec Nev und rund um die Burg entdeckt: Es handelt sich um mesolith. Werkzeuge aus Silex (ca. 6000 v.Chr.) und um eine neolith. Feuerstelle (ca. 5000 v.Chr.) sowie Keramik aus der gleichen Zeit. Dauerhaftere Ansiedlungen gehen auf die Bronzezeit (vor 1400 bis 1200 v.Chr.) und die vorröm. Eisenzeit zurück. Eine bedeutende Nekropole aus der ersten Eisenzeit (6.-5. Jh. v.Chr.) kam im Bereich des Dorfs zum Vorschein, während sich Spuren einer röm. Ansiedlung auf dem Hügel Gorda befinden; hier gab es auch Gräber aus dem FrühMA (6. Jh.). Sichtbar sind noch die Ruinen der Burg, einer der grössten des Kantons, früher Sitz der von Sax, vom 12. Jh. bis 1480 Herren des Misox, und dann bis 1549 der Trivulzio. Am Fuss der Burg liegt die schon 1219 erw. Kirche S. Maria, die wertvolle Fresken aus der Werkstatt der Seregnesi beherbergt (Mitte 15. Jh.). Früher bildete M. eine der vier Squadre des Hochgerichts Misox und war in vier Degagne unterteilt (Crimeo, Cebbia, Andergia und Darba), die je von einem Konsul geleitet wurden. 1480 trat M. zusammen mit Soazza freiwillig dem Grauen Bund bei. Die Pfarrkirche SS. Pietro e Paolo, 1219 erw., wurde im 17. Jh. erneuert und 1959 restauriert. Daneben gibt es die 1538 belegte Kirche S. Rocco mit angegliedertem Hospiz, in dem seit 1668 Kapuzinermönche tätig sind, und versch. Kapellen, darunter S. Giacomo, 1419 bezeugt, S. Giuseppe in Andergia, die während der Reformation den Reformierten als Gotteshaus diente, und S. Giovanni Nepomuceno in Cebbia, die 1978 durch die Überschwemmung zerstört und dann wieder aufgebaut wurde. Erwähnenswert sind das 1565 erbaute und später erweiterte Haus a Marca sowie zahlreiche Patrizierhäuser aus dem 19. Jh. Mit dem Bau der Wasserkraftwerke Isola und Spina, dem 1967 eingeweihten San-Bernardino-Tunnel, den Arbeiten an der Autobahn A13 und dem Ausbau der tourist. Anlagen in San Bernardino erlebte die Gem. ab 1960 einen starken wirtschaftl. Aufschwung. Landwirtschaft und Viehzucht sind jedoch wichtig geblieben; versch. Alpweiden werden noch mit Rindern, Ziegen, Schafen und Schweinen bestossen. Bis 1972 war M. Endstation der 1907 eingeweihten Eisenbahn Bellinzona-M.


Literatur
– G. Schneider-Schnekenburger, Churrätien im FrühMA, 1980, 97 f.
Archäologie in Graubünden, 1992, 22-25, 92-96

Autorin/Autor: Cesare Santi / CN