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S-chanf

Polit. Gem. GR, Kreis Oberengadin, Bez. Maloja, mit den Fraktionen Cinuos-chel und Susauna. Das stattl. Strassendorf am Inn, Ausgangspunkt zum Casannapass, liegt auf einer Höhe von 1662 m. 1137/39 Scaneves, 1356 Scanevo; deutsch Scanfs. 1781 423 Einw. (davon 169 Beisassen); 1806 450; 1850 439; 1900 402; 1950 460; 2000 620. 1932 wurde auf Botta Striera, einer nördlich des Dorfs gelegenen Felskuppe (2050 m), ein prähist. Siedlungsplatz entdeckt, der von der mittleren Bronze- (Melauner Kultur) bis in die Latènezeit benutzt wurde. Der Auskauf des bischöfl. Kornzehnten erfolgte 1527. 1543 wurde S. durch territoriale Teilung des Oberengadins eine unabhängige Nachbarschaft mit 13'000 ha Boden. Die Kirche St. Maria ist 1450 urkundlich bezeugt. Der spätgot. Neubau datiert von 1493, der Turm ist älter (14. Jh.?). 1518/20 trennte sich S. von der Grosspfarrei Zuoz ab. Die Gem. wartete den Tod ihres beliebten Priesters ab, bevor sie 1570 den Glaubenswechsel vollzog. Die Kirchenbücher bezeugen vom 17. bis Anfang des 20. Jh. eine bedeutende gewerbl. Auswanderung. Der seit 1940 bestehende Flabschiessplatz Zuoz/S. wurde 1976 ins Gebiet der abgegangenen Wallfahrtskirche S. Güerg verlegt und bildet mit den Wasser- und Nationalparkzinsen das finanzielle Rückgrat der Gemeinde. 2000 52% Romanisch- und 37% Deutschsprachige.

Der Weiler Susauna, der 1285 und 1521 in den Formen Sauzana bzw. Zuzauna erwähnt wird, lag an der Route über den Scalettapass nach Davos, die vor dem Ausbau der Albula- (1865) und Flüelastrasse (1867) wichtig für den Saumverkehr war. Das schmucklose Kirchlein stammt von 1696. 1723-1834 verfügte Susauna über eigene Pfarrer; Tote wurden in Chapella begraben. Infolge der Erweiterung des Flabschiesssektors wurden die Bauernhöfe an den Eingang des Tals verlegt und der alte Weiler entwickelte sich zu einer Temporärsiedlung (Sommerdorf).


Literatur
– H. Conrad, Schr. zur urgeschichtl. und röm. Besiedlung des Engadins, 21981, 29 f.
– D. Kaiser, «L'emigraziun da S. e Cinuos-chel in temps passos», in Il chalender ladin 77, 1987, 55-63

Autorin/Autor: Constant Wieser