Punt-Chamues-ch, La

Polit. Gem. GR, Kreis Oberengadin, Bez. Maloja. Zweiteilige Gem. mit dem Verkehrsknotenpunkt La Punt links des Inns an der Talstrasse am Fuss des Albulapasses und Chamues-ch auf der gegenüberliegenden Talseite am Ausgang des Val Chamuera. 1137/39 Campolouasto (Kopie des 15. Jh.), 1296 Cambescasco, 1244 Ponte, bis 1943 (und ital.) Ponte-Campovasto. 1850 232 Einw.; 1870 289; 1900 245; 1950 223; 2000 660. Vom MA bis 1851 teilte La P. die polit. Geschichte des Hochgerichts Oberengadin. 1543 bildete La P. eine Nachbarschaft von Suot Funtauna Merla. 1370 wird die Kirche S. Andrea in Chamues-ch (mit rom. Turm) erstmals erwähnt, 1505 erfolgte ein spätgot. Neubau durch Bernardo da Poschiavo und bei der Kirchenrenovation von 1981 wurden ausgedehnte Mauerreste eines rom. Vorbaus mit got. Malereien gefunden. 1561 wurde die Reformation eingeführt. 1680 folgte der Bau einer barocken Filialkirche in La Punt, die 1974-75 renoviert wurde. Ab dem 17. Jh. errichtete die Fam. Albertini in La Punt Herrschaftshäuser. 1566, 1772 und 1843 wurde La P. von Überschwemmungen und 1803 von einer Feuersbrunst teilweise zerstört. Neben Säumerei und Landwirtschaft fanden die Einwohner in der früh einsetzenden gewerbl. Auswanderung und in den Söldnerdiensten ein Auskommen. Einen wirtschaftl. Aufschwung brachte der Waren- und Personenverkehr auf der 1865 errichteten Fahrstrasse über den Albulapass bis zur Eröffnung der Bahnlinie Thusis-Bever-St. Moritz 1903 und Bever-Scuol 1913. Nach 1960 fand La P. den Anschluss an die Oberengadiner Fremdenindustrie. Zahlreiche Wohnungen und Ferienhäuser entstanden nördlich von Chamues-ch und in La Punt/Arvins, die beiden Dorfteile wuchsen praktisch zusammen. Seit den 1970er Jahren haben viele Zuzüger und eine grosse Zahl von Wegpendlern (2000 53%) die Dorfstruktur verändert; der rätorom. Sprachanteil ist bis 2000 auf 20% gesunken.


Literatur
– R. Lussi, La P., 1987
– J. Mathieu, «Die Herren der Brücke», in JHGG 118, 1988, 65-115
– D. Giovanoli, La P., 1990
– C. Hämmig, La P., 2000

Autorin/Autor: Constant Wieser