Celerina/Schlarigna

Polit. Gem. GR, Kreis Oberengadin, Bez. Maloja. Haufendorf gegenüber dem Ausgang des Berninatals ins Oberengadin, mit der Fraktion Crasta. 1313 Schellarin, 1320 Celarina, bis 1943 Celerina, 1943-50 Schlarigna/Celerina. 1850 245 Einw.; 1900 341; 1950 713; 2000 1'353.

1895 wurde eine Lanzenspitze aus der Eisenzeit gefunden. Reste einer Burg Chastlatsch liegen östl. von Punt Muragl. C. teilte die polit. Geschichte des Hochgerichts bzw. Kreises Oberengadin. Auf einem Hügel in der Innebene entstand 1478 über einer Kapelle aus der Jahrtausendwende (1974 archäologisch untersucht) die ehemalige Pfarrkirche S. Gian (einschiffiges Langhaus mit bemalter Holzdecke, bedeutende Fresken). 1682 wurde der grosse Kirchturm vom Blitz getroffen, der ausgebrannte Spitzhelm danach nicht wieder erstellt. Nahe der Innbrücke stand noch um 1800 eine um das Jahr 1000 erbaute Dreifaltigkeits-Kirche. Die aus dem 14. Jh. stammende Kirche S. Maria in Crasta weist einen Kirchturm im rom. Stil auf. 1577 führte C. als letzte Oberengadiner Gem. die Reformation ein. Die ref. Kirche, Bel Taimpel genannt, entstand 1669 im Barockstil; die kath. Kirche S. Antonius datiert von 1939. Bereits die erste Urkunde (1320) handelt von Überschwemmungen des Flaz, die mit denjenigen des Bachs Schlattain bis zur Eindämmung im 20. Jh. immer wieder Schäden anrichteten. Ein Dorfbrand zerstörte 1631 43 Häuser. 1860 begann der Aufschwung des Tourismus: Erste Hotels entstanden, und Ende des 19. Jh. wurde C. zur Zielstation der St. Moritzer Bob- und der Skeletonbahn. 1891-1968 war in C. die höchstgelegene Brauerei Europas in Betrieb. Die Luftseilbahn nach Saluver erschliesst seit 1958 eine Skiregion ersten Ranges. Eine enorme Entwicklung im Bau von Ferienresidenzen, zur Hauptsache für Italiener, viele deutschsprachige Zuzüger und eine zunehmende Zahl von Wegpendlern haben sich auf das Dorfleben ausgewirkt und zu einem starken Rückgang der rätorom. Kultur (rätorom. Sprachanteil 1860 96%, 2000 13%) geführt.


Literatur
Kdm GR 3, 1940, 322-339
Engadiner Post, 22.7.1978
– G.-P. Ganzoni, Monografia da Schlarigna, 1982
Bündner Ztg., 4.12.1982

Autorin/Autor: Ottavio Clavuot