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Soglio

Ehem. polit. Gem. GR, Kreis Bergell, Bez. Maloja, bildet seit 2010 mit den Gem. Bondo, Castasegna, Stampa und Vicosoprano die neue polit. Gem. Bregaglia. Die seit jeher italienischsprachige Terrassensiedlung umfasst S. (1095 m) und die Fraktion Spino und liegt am Aufgang zum Pass da la Duana, der ins Averstal führt, und zum Prasignolapass ins Val Madris, wo die Salis 1412 Alpen erwarben. 1186 de Solio, dt. früher Sils im Bergell, rätorom. Suogl. 1850 388 Einw.; 1900 349; 1950 287; 2000 172. In und um S. stiess man auf Schalensteine und ein Steinplattengrab sowie auf zwei etrusk. Bronzegefässe bei Spino. Kirchlich gehörte S. zur Grosspfarrei Nossa Donna in Promontogno, im 14. Jh. war es eine Kuratie. Die Kirche St. Laurentius wird erstmals 1354 erwähnt, ist aber älter. 1552 wurde in S. die Reformation eingeführt. Anfang des 21. Jh. wurde S. von Castasegna aus betreut. Im MA war es ein Glied der Talgemeinde Bergell, bildete 1383 mit Castasegna die Gem. di là dell'acqua und ab 1535 eine Nachbarschaft der Gerichtsgemeinde Unterporta (Sitz des Zivilgerichts in S.) und ist seit 1879 selbstständig. Es verdankt seine hist. und kulturelle Bedeutung der Fam. Salis, die als bischöfl. Ministerialen im 13. Jh. nach S. kamen (mehrere Palazzi in S.). Vom 14. Jh. bis 18. Jh. erlebte der Warentransit eine Blüte, seit 1850 spielt der Tourismus eine wichtige Rolle. 1902 wurde das Kreisspital in Spino eröffnet, 1978 ein Altersheim. 1945-50 fand eine Güterregulierung und 1973 eine Ortsplanung statt. S. sieht sich mit dem Problem der Abwanderung konfrontiert. 1982-2001 betrieb es auf eigene Kosten eine Primarschule. Inzwischen gehen die Kinder von S. nach Bondo zur Schule.


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 433-445
– R. Stampa, Storia della Bregaglia, 1974 (31991)
Gem. GR
Gem. GR 2003
S., hg. von M. Alder, D. Giovanoli, 21997

Autorin/Autor: Adolf Collenberg