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Bondo

Polit. Gem. GR, Kreis Bergell, Bez. Maloja. Haufendorf auf dem Talboden südl. der Mera mit Promontogno und Castelmur (röm. Murus), den aufgelassenen Siedlungen Casnac und Bondea, Maiensässen an den Hängen südl. des Dorfes und im Val Bondasca. 1380 Bondo, dt. früher Bundth, rätorom. früher Buond. 1803 235 Einw.; 1850 230; 1900 304; 1950 239; 1960 254; 2000 181. In karoling. Zeit gehörte B. zum churrät. Ministerium Bergallia, ab 960 zum Bistum Chur. Im HochMA war B. eine Nachbarschaft namens di là dell'acqua in der Gerichtsgem. Unterporta, ab 1367 Teil des Gotteshausbundes. Die frühma. Talkirche S. Maria (Nossa Donna) auf Castelmur ist 988 erstmals erwähnt, die rom. Dorfkirche S. Martino in B. wurde 1250 geweiht. 1552 trat B. zur Reformation über. Seit dem SpätMA wird Viehwirtschaft in einem vierstufigen Nutzungssystem betrieben: Dorf, Feldstall, Maiensäss, Alp (1429 Kauf von Alpen am Berninapass, bis heute im Besitz der Gem. B.). Ackerbau, Kastanienwirtschaft und Fuhrwesen boten einen Nebenerwerb. Ab dem 16. Jh. wanderten Leute aus B. nach Italien, später nach Osteuropa (Zuckerbäcker, Söldner), im 20. Jh. nach Nordbünden und in die übrige Schweiz aus. Während der Bündner Wirren wurde B. 1621 von den Spaniern eingeäschert (248 Gebäude), danach als strassenorientierte Haufensiedlung wieder aufgebaut. Bedeutendste Profanbauten sind der Palazzo Scartazzini (1690), der Palazzo Scartazzini, ehemals Cortini, am Platz (1763), und der Palazzo Salis (1765-74). Eine Weinkellergruppe Crot steht zwischen B. und Promontogno. Seit dem späten 19. Jh. besteht ein bescheidener Sommertourismus. Überdies wird Holz verarbeitet und v.a. nach Italien exportiert. Die Erwerbsstruktur (1990 48% in B. Erwerbstätige im 2., 44% im 3. Sektor) hat sich seit 1960 kaum verändert.


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 398-412
Siedlungsinventar B., Ms., 1976

Autorin/Autor: Diego Giovanoli