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Bondo

Ehemalige politische Gemeinde GR, Kreis Bergell, Bezirk Maloja, seit 2010 mit Castasegna, Soglio, Stampa und Vicosoprano Teil der neuen Gemeinde Bregaglia. Haufendorf auf dem Talboden südlich der Mera mit Promontogno und Castelmur (röm. Murus), den aufgelassenen Siedlungen Casnac und Bondea, Maiensässen an den Hängen südlich des Dorfes und im Val Bondasca. 1380 Bondo, dt. früher Bundth, rätorom. früher Buond. 1803 235 Einw.; 1850 230; 1900 304; 1950 239; 1960 254; 2000 181. In karoling. Zeit gehörte B. zum churrät. Ministerium Bergallia, ab 960 zum Bistum Chur. Im HochMA war B. eine Nachbarschaft namens di là dell'acqua in der Gerichtsgemeinde Unterporta, ab 1367 Teil des Gotteshausbundes. Die frühma. Talkirche S. Maria (Nossa Donna) auf Castelmur ist 988 erstmals erwähnt, die rom. Dorfkirche S. Martino in B. wurde 1250 geweiht. 1552 trat B. zur Reformation über. Seit dem SpätMA wird Viehwirtschaft in einem vierstufigen Nutzungssystem betrieben: Dorf, Feldstall, Maiensäss, Alp. Die 1429 erworbenen Alpen am Berninapass, blieben im Besitz der Gemeinde. Ackerbau, Kastanienwirtschaft und Fuhrwesen boten einen Nebenerwerb. Ab dem 16. Jh. wanderten Leute aus B. nach Italien, später nach Osteuropa (Zuckerbäcker, Söldner), im 20. Jh. nach Nordbünden und in die übrige Schweiz aus. Während der Bündner Wirren wurde B. 1621 von den Spaniern eingeäschert (248 Gebäude), danach als strassenorientierte Haufensiedlung wieder aufgebaut. Bedeutendste Profanbauten sind der Palazzo Scartazzini (1690), der Palazzo Scartazzini, ehemals Cortini, am Platz (1763), und der Palazzo Salis (1765-74). Eine Weinkellergruppe Crot steht zwischen B. und Promontogno. Seit dem späten 19. Jh. besteht ein bescheidener Sommertourismus. Überdies wird Holz verarbeitet und v.a. nach Italien exportiert. Die Erwerbsstruktur änderte sich seit 1960 kaum; 1990 stellte der 2. Sektor 48%, der 3. Sektor 44% der Arbeitsplätze in Bondo.


Literatur
Kdm GR 5, 1943, 398-412
Siedlungsinventar B., Ms., 1976

Autorin/Autor: Diego Giovanoli