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Sent

Polit. Gem. GR, Kreis Suot Tasna, Bez. Inn. Das geschlossene Dorf auf einer Terrasse links des Inn umfasst die Weiler Crusch und Sur En. Bis ins 19. Jh. lautete die übliche dt. Bezeichnung Sins. Die Ersterwähnung datiert auf 930, als Kg. Heinrich I. dem Ramoscher Priester Hartpert die Kirche im vicus Sindes übertrug (ob die Kirche St. Peter oder St. Lorenz gemeint ist, bleibt unklar). Bis Ende des 19. Jh. war S. das bevölkerungsreichste Dorf im Engadin. 1835 1'122 Einw.; 1850 941; 1900 966; 1930 782; 1950 810; 1970 704; 2000 865. Südlich des Dorfes wurden eisenzeitl. Siedlungsreste gefunden. Besitzungen der Herren von Tarasp in S. gingen 1161 ans Kloster Marienberg über. Im 12. und 13. Jh. sind die Herren von Sindes nachgewiesen. Die Kirchenruine St. Peter stammt aus dem 12. Jh. (mit Wohnturmresten aus dem 13. Jh.). Die Kirche St. Lorenz wurde 1496 im got. Stil durch Andreas Bühler ausgebaut. 1899-1900 erhielt sie einen neugot. Turm. 1576 trat S. als letzte Gem. des Unterengadins der Reformation bei. Kirchlich gehörte bis 1616 Ischgl im österr. Paznaun zu S. Dort hatte S. im SpätMA Weidegebiete erworben, woran das heutige Übergreifen des Gemeindegebiets ins Fimbertal erinnert. Zwischen 1499 und 1921 erlitt S. mehrere Dorfbrände. Vom 18. bis ins 20. Jh. erhielten viele Häuser charakterist., barock-geschwungene "Sentergiebel". 1652 befreite sich S. von den österr. Rechten. 1811 führte es als letztes Engadiner Dorf den neuen Kalender ein. Bis 1851 gehörte es zur Gerichtsgemeinde Untertasna. Obwohl S. ein wichtiges Getreidegebiet war, stellte die Landwirtschaft Mitte des 20. Jh. fast ganz auf Viehzucht und Milchwirtschaft um. V.a. um 1800 verkaufte S. grosse Mengen an Holz nach Hall im Tirol. Etwa zur selben Zeit betrieben Tiroler Unternehmer in S. eine Baumwollspinnerei. 1909-11 wurde bei den arsenhaltigen Karbonatquellen das Kurhaus Val Sinestra errichtet. Seit Mitte des 20. Jh. erlebt S. in der Nachbarschaft von Scuol einen tourist. Aufschwung, insbesondere dank dem Ausbau der Pendicularas Motta Naluns Scuol-Ftan-S. 2000 gaben noch 68% der Einwohner das Rätoromanische als Hauptsprache an.


Literatur
– V. Stupan, Monografia dal cumün da S., 1975
– T. Schmid, S., 1976

Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm