Schlatt (ZH)

Polit. Gem. ZH, Bez. Winterthur, am Fuss des Schauenbergs zwischen Eulach- und Tösstal gelegen, umfasst die Dörfer Unter- und Oberschlatt, Waltenstein und Nussberg. 754 Sclatte. 1467 ca. 65 Einw.; 1634 317; 1792 722; 1850 700; 1900 521; 1950 517; 1960 475; 2000 610. Das stark bewaldete, hügelige Gelände wurde wohl erst im 8. Jh. besiedelt. Nach Güterschenkungen in Nussberg (743/746) und S. (754) arrondierte das Kloster St. Gallen seinen Güterbesitz im Laufe des 9. Jh. Die im 13. Jh. in einer Burg nördlich von Nussberg ansässigen Herren von Schännis waren in Nussberg begütert. Die 1094 erstmals erw. Herren von S. gehörten vom 12. bis zum 14. Jh. zum Ministerialadel der Kyburger und Habsburger. Ihre neben der Kirche in Unterschlatt gelegene Turmburg kam 1531 nach vielen Handwechseln an die Pfrundherren des säkularisierten Stifts Heiligberg bei Winterthur, die sie zum Pfarrhaus umbauten. Die vier Dörfer gelangten mit der Grafschaft Kyburg 1424 bzw. 1452 an Zürich, das sie im Enneren Amt der Landvogtei Kyburg verwaltete. Die niedergerichtl. Rechte in Oberschlatt gehörten zum Stählernen Bund und wurden mit diesem erst 1494 von Zürich erworben. Ab dem 16. Jh. bildeten sich vier Dorfgemeinden heraus.

Die Kollatur der dem hl. Petrus geweihten Kirche befand sich 1241 im Besitz von Konrad von S. und gelangte über die Breitenlandenberger 1473 an das Stift Heiligberg, das die Kirche inkorporierte. Das Kollaturrecht ging 1485 an Zürich und dann 1529 an Winterthur. Die Kirche wurde um 1500 neu erbaut und 1655 umgestaltet.

1798 entstand im Pfarreigebiet eine polit. Gemeinde, die zunächst dem Distrikt Elgg und 1803 dem Bez. Winterthur zugeteilt wurde. Die vier Dörfer bewahrten als Zivilgemeinden bis 1883 bzw. 1928 eine gewisse Selbstständigkeit. Der bedeutendste Gewerbebetrieb war die bereits 1361 erw. Mühle Heidertal, die 2010 immer noch zeitweise in Betrieb war. Bei der Mühle Unterschlatt wurde von 1825 bis gegen Ende des 19. Jh. eine kleine Baumwollspinnerei betrieben. Eine weitere Industrialisierung blieb aus; die Erschliessung durch eine ausgebaute Strasse zum Bahnhof Räterschen erfolgte erst 1847-53. Zur Zeit der textilen Heimindustrie, die 1787 ca. 30% der Einwohner beschäftigte, war die Gem. stark bevölkert. Die um 1850 beginnende Abwanderung wurde erst in den 1960er Jahren durch den v.a. in Unterschlatt einsetzenden Bau von Einfamilienhäusern gebremst, der den ländl. Charakter der Gem. nicht veränderte. 2005 stellte der 1. Sektor noch immer 45% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– J. Zollinger, Streifzug durch die Gesch. der Gem. S., 1963
Kdm ZH 7, 1986, 240-266
– E. Ott, «Mühle Heidertal in der Dorf- und Schulgem. Eidberg, im Kirchspiel S. am Schauenberg und in der alten Grafschaft und Landvogtei Kyburg», in ZTb 2006, 2005, 63-108

Autorin/Autor: Ueli Müller