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Ramosch

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Polit. Gem. GR, Kreis Ramosch, Bez. Inn. Das links des Inns gelegene Dorf umfasst zudem die Fraktion Vnà sowie die Siedlungen Raschvella und Seraplana. 930 in vico Remuscie (Kopie), 1070-78 Rhemuscie, dt. Remüs. 1835 681 Einw.; 1850 621; 1900 558; 1950 565; 2000 440.

Auf der Kuppe Mottata (ca. 1,5 km nordöstlich von R.) wurde 1956-58 eine bedeutende urgeschichtl. Fundstelle mit drei Siedlungshorizonten aus der mittleren und späteren Bronzezeit (Melaunerkultur) sowie der jüngeren Eisenzeit (Fritzens-Sanzeno-Kultur) ausgegraben. R., das am Kreuzungspunkt der transalpinen Route durchs Fimbertal mit dem Inntalweg liegt, dürfte im FrühMA das wichtigste Engadiner Dorf gewesen sein; hier befand sich im 6. Jh. die erste christl. Kirche des Engadins, Zentrum der Urpfarrei des Unterengadins. Im 7. Jh. wirkte Florin als Pfarrer. Dessen Grab wurde bald Ziel einer intensiven Wallfahrt, die erst mit der Reformation 1530 ein Ende nahm. 930 schenkte Kg. Heinrich I. die Kirche St. Florinus zusammen mit der Kirche von Sent dem Priester Hartpert, dem nachmaligen Bf. von Chur. Dessen Nachfolger Hildibald übertrug Kirche und Grosshof R. dem Domkapitel Chur. Im 12. Jh. sind mehrere Herren von R. als bischöfl. Ministeriale und als Dienstleute der Herren von Tarasp bezeugt, welche in R. einen Hof besassen; 1161 kam dieser ans Kloster Marienberg. Die Burg R., die vom 16. Jh. an Tschanüff genannt wurde, ist eine ausgedehnte Anlage mit Haupt- und Vorburg, einem Hauptturm (13. Jh.) und einer imposanten westl. Schildmauer mit Vormauerung. Sie war ein bedeutendes Verwaltungszentrum des Unterengadins und ging von den Herren von R. 1369 an die Vögte von Matsch und nach deren Fehde mit dem Bf. von Chur 1421 an jenen über. Kastellane waren im 15. und 16. Jh. die Planta, Porta und Mohr. 1652 kaufte sich R. zusammen mit dem übrigen Tal von Österreich los. 1780 wurde die Burg aufgegeben. Die got. Pfarrkirche von 1522 wurde von Bernardo da Poschiavo erbaut und war dessen bedeutendstes Werk. Vor 1851 gehörte die Nachbarschaft R. zum Gericht R., das mit den weit entfernten Gerichten Stalla (Bivio) und Avers eines der elf Hochgerichte des Gotteshausbunds bildete. 1851 entstand aus dem Gericht der Kreis R. mit den drei Gem. R., Tschlin und Samnaun.

R. galt als Kornkammer des Engadins; der Ackerbau war bis ins 20. Jh. sehr bedeutend und die Ackerterrassen beeindrucken immer noch. Seit dem MA wurde auch Obstbau betrieben. Zu Beginn des 21. Jh. stand die Viehwirtschaft im Vordergrund. Auf der Suche nach Weidegebieten expandierte R. im SpätMA über die Bergkämme nach Norden, wovon die Exklave im Fimbertal zeugt. Grossen Einfluss hatte R. auf die Besiedlung des Samnauntals. Dorf und Burg wurden 1499, 1565 und 1622 zerstört, das Dorf brannte 1880 fast vollständig ab, der Wiederaufbau erfolgte im ital. Stil mit flachen Dächern.


Literatur
– B. Frei, «Die Ausgrabungen auf der Mottata bei R. im Unterengadin», in JbSGUF 1958/59, 35-43
– I. Müller, «Zur älteren Gesch. des Unterengadins», in BM 1979, 1-24
– P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984
– J. Mathieu, Bauern und Bären, 1987

Autorin/Autor: Paul Eugen Grimm